#1 Mehrere Anschlusskunden hintereinander von OOK 13.09.2021 03:43

Früher war alles besser, sagt man. Na gut, lassen wir das. Auf jeden Fall gab es bis zur Epoche 3 den für Betriebsmodellbahner hochinteressanten Einzel-Wagenladungsverkehr. Ein Kunde, der einmal in der Woche einen einzigen Wagen zugestellt bekam, egal ob zum Be- oder Entladen, wurde nicht abgewiesen, sondern war bei der DB und den Privatbahnen ein angesehener Kunde.

Das waren natürlich kleinere Betriebe, die zumeist kein eigenes Anschlussgleis hatten, sondern an der öffentlichen Ladestraße in der Ortsgüteranlage ihr Ladegeschäft durchführten. Nicht alle aber viele von ihnen, bei denen das häufiger vorkam, errichteten dann an der Ladestraße einen Bansen oder ein kleines Lagerhaus oder auch nur einen Schuppen. Manche stellten auch Schilder auf oder schrieben den Firmennamen an die Wand des Gebäudes.



Ein einzelner solcher Kunde ist schon interessant, noch interessanter wird es, wenn mehrere hintereinander wie Perlen auf der Schnur sitzen.

Auf einer Anlage, auf der ein organisierter Güterverkehr durchgeführt wird, ist das eine hochspannende Situation. Wenn der Nahgüterzug (oder eine Übergabe) mir den zuzustellenden Wagen kommt und evtl. auch welche abholen soll, nicht jedoch alle, dann gibt es ein heftiges Hin und Her, denn die Wagen können ja nicht in beliebiger Reihenfolge an die Ladestraße gestellt werden, sondern jeder an die richtige Stelle, zum vorgesehenen Kunden.

Ich weiß, dass es solche Situationen mehrmach gegeben hat, mit zwei bis fünf Anschlusskunden auf der Reihe. Nur: es fehlt an Vorbildinformationen, also Gleispläne und Fotos.
Wer solche Informationen hat, möge sie gerne hier einstellen, das könnte dann ein schönes Verzeichnis werden, auf das der Anlagenplaner Rückgriff nehmen kann.
Gruß

Otto

#2 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von DKEV 14.09.2021 10:42

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Moin Otto,

In Bargteheide gab es ein Anschließergleis, welches über das Werksgelände des Sägewerks Gaycken zum benachbarten Raiffeisenschuppen im Industriegebiet verlief und dann über das Werksgelände von Langnese – Dibona (Langnese Honig) bishin zum ehemaligen Asmussen Rum Werk.
Asmussen Rum hatte früher viel Güterverkehr auch mit der Bahn und bekam wöchentlich 2 Güterwagen zugestellt.
Zur Erntezeit wurden bei Raiffeisen Getreide und Saatgüter verladen oder ausgeladen, in Hochzeiten waren das bis zu vier Güterwagen wöchentlich.
Die Fa. Gaycken bekam mehrmals wöchentlich Langholz angeliefert und versandte Schnittholz auch mit der Bahn.
Zur Zuckerrübenernte war es dann noch spannender, dann nämlich war Gleis 4 an der Ladestraße mit diversen O-Wagen blockiert, die dort standen, um mit Zuckerrüben beladen zu werden.
Lange zweiachsige Rungenwagen wurden zum Problem mit dem dort verlegten Industrieradius auf dem Sägewerksgelände der Fa. Gaycken.
Nicht seltrn kam es vor, daß bei der Güterwagenanlieferung erst noch die Gleide auf dem Werksgelände des Sägewerkes freigeräumt werden mußten, weil dort Holzstapel die Gleise blockierten.
Die Bahn machte des Öfteren kurzen Prozeß und blockierte dann mit Güterwagen die Werkszufahrt der Fa. Gaycken, bis die Gleise freigeräumt waren, zog die Rangierlok ab und erledigte die Wagenzustellung erst am nächsten Tag.
Ab Mitte der 1980er Jahre ging der Güterwagenverkehr schrittweise zurück.

Schönen Gruß,

Ingo

#3 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von OOK 14.09.2021 11:05

Hallo Ingo,
das hört sich ja mächtig spannend an. Genau das, was ich suche. Gibts irgendwo einen Gleisplan, mit dessen Hilfe ich mir das vorstellen kann?

gruß

Otto

Edit: schon einen von 1971 im Netz gefunden. Den kennst/findest du sicher auch. Um welche Gleise handelt es sich?

#4 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von DKEV 14.09.2021 13:16

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Moin Otto,

zwischen der Gleissperre und der Grube vom Gleisroller wurde später der Nach links Abzweigende Industrieanschließer gebaut, das muß so Mitte der 1970er Jahre gewesen sein also in Blickrichtung Westen Richtung Ahrensburg/Hamburg.
Die Weichen zwischen dem Gleisroller und dem Bahnsteig von Gleis 2/3 gabs da schon nicht mehr. Die Stellwerke wurden 1983 außer Funktion gesetzt, lediglich das Stellwerk West blieb noch erhalten, zunächst als Schrankenposten.
Im Bahnhofsgebäude wurde ein Stellwerk eingerichtet, das Stellwerk Bo abgerissen.
Gucke dir mal Luftbildaufnahmen bei Google Earth an. Da siehst du noch den alten Industrieanschluß.

Schönen Gruß,

Ingo

#5 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von elbmarschbahn 14.09.2021 16:59

Ingo,

war dieser Anschluss nicht mal in der Kosakschen Hp1 mit Bildern und Gleisplan beschrieben worden ?

#6 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von OOK 14.09.2021 17:00

Hallo Ingo,
danke für deine Informationen.
allerdings kan ich aus Google Maps das Anschlussgleis und die Anschließer nicht ermitteln. Hier habe ich mal einen Ausschnitt aus Open Railway Maps erstellt. Wäre es dir möglich, hier hinein die von dir im ersten Post genannten Firmen einzuzeichnen? Dann würde da ein Schuh draus.

XXXXXXXXXXXXXXXXXX*

Otto

*Hier soll eigentlich ein Bild sein. Es war ursprünglich 1024 pixel breit, das wurde nicht genommen, es gab den Hinweis, es seien nur "Pixel Breite" erlaubt. Ja *lach*, genau so, ohne Zahlenangabe. Wie groß darf es denn nun sein?

#7 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von OOK 14.09.2021 17:02

Zitat von elbmarschbahn im Beitrag #5
war dieser Anschluss nicht mal in der Kosakschen Hp1 mit Bildern und Gleisplan beschrieben worden ?

Das ist ja interessant. Hat das jemand?
Otto

#8 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von Chickenwire 14.09.2021 17:53

Hallo zusammen,

Ich kenne das nicht aus Bahnhöfen aber zu genüge beruflich als Anschliesser. Da kann ich auch viele Beispiele nennen. Das ist aber komplett im Industrie- und Chemiepark.

#9 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von elbmarschbahn 14.09.2021 18:47

Otto,

ich hab es gefunden :

Hp1 Nummer 14 - Seite 85-94

"Das Industriestammgleis in Bargteheide"

Sehr ausführlich beschrieben werde die Anschlüsse von der Holzhandlung Gaycken, vorbei an der Raiffeisen bis zu Langnese.

Teilweise sogar mit Gebäudezeichnungen

#10 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von Zwei-Takt 14.09.2021 19:54

Hallo Otto,

Zitat von OOK im Beitrag #6
*Hier soll eigentlich ein Bild sein. Es war ursprünglich 1024 pixel breit, das wurde nicht genommen, es gab den Hinweis, es seien nur "Pixel Breite" erlaubt. Ja *lach*, genau so, ohne Zahlenangabe. Wie groß darf es denn nun sein?


Maximal 800 Pixel breit und max. 200 kB groß.

Guckst du in die Forenregeln, da steht das.

Viele Grüße
Andreas

#11 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von OOK 14.09.2021 20:15

Danke, Andreas. Einen button "Forenregeln" habe ich gesucht, aber wie komme ich von der Startseite aus dahin?
Gruß

Otto

#12 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von Berndk 14.09.2021 21:53

Hallo Otto,

Zitat von OOK im Beitrag #11
Einen button "Forenregeln" habe ich gesucht, aber wie komme ich von der Startseite aus dahin?



Einfach die Startseite runterscrollen bis "Foren-Internes", dann siehst Du sie in großen Lettern benannt ;-)

Noch eine Frage zur gestrichelten Linie im Gleisplan im Bild von #1: Es könnte genauso gut ein Stumpfgleis sein, richtig? Da wäre rangiertechnisch was los...

Gruß
Bernd

#13 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von spatz 15.09.2021 21:09

Hallo Otto (und andere),

war das denn tatsächlich häufiger so? Wurden nicht eher erst alle eingesammelt und danach die neuen Wagen zugestellt? Wie wurde dann sichergestellt, daß der Wagen nicht gerade mitten in der Ladetätigkeit verschoben werden musste? Die Info, ob er verschoben werden kann, müsste ja bereits bei Abfahrt des Nahgüterzuges (oder der Übergabe) schon vorhanden sein, um zu vermeiden, daß die neuen Wagen gar nicht (ohne wesentliche Verzögerung des Zuglaufes) zugestellt werden können.

Ansonsten könnte man so eine Situation doch an fast jeder kleinen Ladestraße mit verschiedenen Ladestellen (Laderampe, Güterschuppen und Ladestraße, evtl. auch Rübenverladeanlage) konstruieren.

Gruß
Stephan

#14 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von DKEV 16.09.2021 10:27

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Moin Stephan,

bezüglich des Industriegleises Bargteheide weiß ich, daß es jedesmal fürchterlichen Streß mit Holz Gaycken gegeben hatte, wenn Raiffeisen odrr die dahinterliegenden Bahnkunden einen höheren Zustellbedarf hatten als Gaycken mit der Ent- und Beladung hinterher kam.
Zudem arbeitete Gaycken eher kontraproduktiv und erschwerte den Wagenaustausch der anderen Güterkunden noch zusätzlich, weswegen auch Asmussen Rum letztlich wieder nach Flensburg zurück ging, Dibona (Langnese Honig) und Raiffeisen auf LKW Transporte umschwenkten und Gaycken als letzten Bahnkunden das Industriegleis überließen.

Umweltschutz hin oder her, wenn nur einer der anderen Anschließer "Arschloch hoch spielt" und sich auch so verhält und vor nichts Respekt hat, weil ja "Frechheit siegt," dann ist das auch kein Wunder, daß die Bahn irgendwann den betreffenden Anschließer nur noch unregelmäßig bedient.
Holz Gaycken hatte es nämlich geschafft, daß alle übrigen Anschließer auf LKW Transporte umsattelten, so daß deren Werksgelände nicht mehr befahren werden mußte.
Zu dem wurden die Holzladetätigkeiten auf die Ladestraße an Gleis 4 ausgelagert, und das Zufahrtsgleis zum Werksgelände "dichtgeparkt" und mit Holzstapeln blockiert.
Die dadurch kaum mehr ausführbaren Zuckerrübenverladungen wurden als Bald eingestellt und direkt an die Zuckerfabrik in Uelzen per LKW angeliefert und Holz Gaycken hatte die Ladestraße für sich allein.
Dieses eigenmächtige Handeln sorgte in der weiteren Entwicklung zur Schließung der Raiffeisenfilliale und auch dazu, daß Dibona letztlich endgültig auf LKW Transporte setzte, ebenso wie Holz Gaycken, denn die DB kündigte die Güterwagenzustellung auf.
Als durch die Bahnprivatisierung nun auch noch Kosten zum Unterhalt der Anschließerweiche auf 60.000 DM/Jahr beziffert wurden sprang zunächst die Stadtverwaltung dafür ein.
Als der neue Stadtkämmerer, der heutige Landrat von (Bad) Oldesloe im Landkreisamt Stormarn seine Dienst antrat, waren die jährlichen Kosten zur Beibehaltung des Industriegleises, wirtschaftlich nicht mehr tragbar, wofür Geld ausgeben müssen, wenn kein Nutzen davon getragen wird und die noch verbliebenen Industriebetriebe kein Interesse am Fortbestehen des Anschlusgleises hegten.
Getriebebau Nord wäre zwar interessiert gewesen, jedoch war Aldi Nord nicht bereit die Beladungen über deren Ladestraße (Privatgelände Aldi) stattfinden zu lassen.
Dibona war aber auch nicht bereit auf dem eigenen Werkgelände wieder eine Ladestraße einzurichten, die man erst zuvor entfernt hatte.
Holz Gaycken verweigerte die Durchfahrtgenehmigung mehrerer Güterwagen pro Woche, letztendlich blieb die Stadtverwaltung auf den jährlichen Unterhaltskosten sitzen.
Man einigte sich mit der DB darauf die Weiche ausbauen zu lassen und das Industriegleis stillzulegen.
Im Zuge weiterer Bahnhofsumbauten wurde Gleis 4 soweit verkürzt, daß nur noch ein zweiachsiger Güterwagen einzeln mit einer kurzen Rangierlok hätte ins Industriegleis einrangiert werden können, die Weiche zum Industriegleis wurde erst vor einigen Jahren ausgebaut und ist nun auch "Geschichte".

Schönen Gruß,

Ingo (der 37 Jahre in Bargteheide lebte)

#15 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von OOK 16.09.2021 11:02

Hallo Ingo,
das ist eine sau-traurige Geschichte, zu der man sicher sehr viel schreiben könnte. Das wäre aber hier sicher nicht das passende UFO. Ich packe auch mal den kleinen Verkehrspolitiker in mir weg und konzentriere mich auf das Modellbahnerische.

Stephans kritische Hinterfragung ist natürlich nicht einfach von der Hand zu weisen - aber auch nicht einfach so hinzunehmen. Durch die Gnade der frühen Geburt kenne ich solche Rangiervorgänge noch aus eigener Anschauung und kann die Frage "war das denn tatsächlich häufiger so? " mit Ja beantworten. nicht immer, aber häufiger.
Bei normalen Ladestraßen ist bzw. war die Bahn (DB/DR/Privatbahn) Hausherr, und da wurden solche Sperenzchen à la Gayken nicht lange geduldet. Es ist ja auch keine Katastrophe, wenn das Entladen eines Fd-Wagens mit Förderband mal für eine halbe Stunde unterbrochen werden muss.

Letztendlich sprechen wir von Modellbahn. Auf meiner Anlage gab es ein solches Problem im Bf Oderteich, wo der Güterschuppen nur durch den Anschluss des Kohlenhandels zu erreichen war. Das funktionierte zwar, dauerte aber viel zu lange, wenn da ein Wagen weggerräumt und hinterher wieder aufgestellt werden musste, speziell, wenn dies durch einen Personenzug erfolgte. Deshalb hat sich die BAE das Problem durch Verlegung des Gs an ein neues Stumpfgleis vom Halse geschaffen.
Wen es nur um die Ladestraßenkunden geht, wird halt solange rangiert, bis alles in der richtigen Reihenfolge steht - oder der Arzt kommt.

Gruß

Otto

#16 RE: Mehrere Anschlusskunden hintereinander von spatz 17.09.2021 22:12

Vielen Dank, Ingo, Otto,

ich habe in der Tat erst den Betrieb nach Mora C bewußt erlebt.

Die geschilderte Situation in Bargteheide klingt für mich eher nach einer generell schlechten Zugänglichkeit der nachfolgenden Anschließer. Wurde dann aber dort tatsächlich ein bereits zugestellter Wagen für die Holzhandlung wieder herausgezogen, die nachfolgenden Anschließer bedient und danach der Wagen für die Holzhandlung erneut zugestellt?

Ich kann mir kaum vorstellen, daß die Ladetätigkeit in nennenswertem Umfang länger als die Zeit zwischen zwei Bedienungen des Ng oder Üg dauerte (Ladefrist war meines Wissens üblicherweise 8h?!). Gerade bei privaten Anschließern mit direkt angeschlossenem Betrieb sollte das doch nahezu immer möglich gewesen sein. Eine solche Situation sollte daher nach meiner Einschätzung tatsächlich eher an den öffentlichen Ladestraßen aufgetreten sein. Wenn das Wagenstandgeld nicht wehtat, war das mitunter möglicherweise eine einfache Rechnung für die Kunden?!

Das hieße im Modell: Für jede (relevante) Ladestelle wird mit die Wahrscheinlichkeit abgeschätzt, mit welcher die Ladefrist überschritten wird und vor Abholung entsprechend "erwürfelt" (oder per Ereigniskarte ermittelt), ob der Wagen mit darf oder eine Ehrenrunde dreht.

Da Du, Otto, aber eingangs nach Gleisplänen fragtest, verlinke ich mal Egestorf an der OHE-Strecke Winsen-Hützel von troeger.de. Hier befanden sich an Gleis 4 ganze 6 Ladestellen hintereinander.

Gruß
Stephan

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