Seite 1 von 2
#1 Nordhalben in 1:87 von Michael64 24.07.2018 11:52

avatar

Guten Tag allerseits,

nach längerer Baupause möchte ich Euch mein langjähriges Projekt kurz vorstellen und hier (und in anderen Foren) eine Art öffentliches Bautagebuch anlegen

Gebaut wird der Bahnhof Nordhalben, das Vorbild steht in Franken, direkt an der Landesgrenze zu Thüringen und war früher Endpunkt der Rodachtalbahn, die am Kronacher Bahnhof abzweigte.
Der Vorbild-Bahnhof liegt im Tal unterhalb der Ortschaft Nordhalben, so dass hier nur spärliche bzw. ausschließlich Bahnbauten vorkommen: Da der Bahnhof zu Beginn auch über ein eigenes kleines Betriebswerk verfügte, stehen hier neben EG, Stückgutschuppen und Abort auch ein zweiständiger Lokschuppen und eine recht große Bekohlungsanlage, die um 1950 auch mit einem recht eigentümlichen Kran versehen war. Das Auffüllen der Wassertanks erfolgte über einen Pulsometer direkt im Lokschuppen.
Prägend sind die beiden großen Holzladeplätze, einer direkt am Bahnhof, ein zweiter angebunden über eine Weiche in Schräglage zum Bahnhof. Nordhalben ist 1900 in Betrieb gegangen und existiert bis heute, wenn auch jetzt als Inselbahn, die durch einen rührigen Museumsbahnverein am Leben erhalten wird. Der heutige Bahnhof sieht deutlich anders aus als der ursprünglich gebaute, auch hier hat die DB in den 1970ern reichlich rückgebaut, bis dann in den 1980ern die Stilllegung kam.
Mein Nordhalben soll eine maßstäbliche Interpretation des Bahnhofes Nordhalben für Fremo87-Betrieb zu Beginn der 1950er Jahre werden, wobei der Fahrzeugeinsatz den Zeitraum von etwa 1950 bis Mitte der 1960er Jahre wiederspiegelt.
Interpretation deshalb, weil der Bahnhof zu der Zeit tatsächlich noch über bayrischen Oberbau, genauer bayrische X 1:8 Weichen verfügte. Ich verwende stattdessen den sogenannten Reichsbahnoberbau K und 190 1:7,5 Weichen, die auf den ersten Blick eine ähnliche Geometrie wie die X 1:8 Weichen haben. Reichsbahnweichen wurden in Nordhalben erst mit dem Rückbau des Bahnhofes eingebaut, bei dem Rückbau wurden u.a. alle Doppelweichen entfernt (die vor dem Lokschuppen wurde durch den Verein Rodachtalbahn später wieder eingebaut)
Auch in den Jahren vorher hat es offenbar Umbauten gegeben, die allerdings in keinem Gleisplan berücksichtigt wurden: Der ursprüngliche Gleisplan der K.Bay.St.EB gibt ebenso wie ein Plan der DB nicht die tatsächliche Weichenlage der 1. Doppeltweiche wieder, womit ich sozusagen zum 2. Blick bezüglich der ähnlichen Geometrie komme: Sowohl im Ursprungsplan wie auch in einer späteren DB-Fassung ist die Einfahrt-DW als rechts/links Weiche gezeichnet, auf alten Fotos kann man aber ab spätestens 1931 sehen, dass dort eine links/rechts Weiche verbaut ist, allerdings ohne den übrigen Oberbau bzw. die Lage der anderen Weichen zu ändern.
Hier liegt eine Tücke, vor allem im Bezug auf meine Interpretation: Bei der Geometrie der X 1:8 Weichen lässt sich die Weiche problemlos drehen, die übrigen Weichen sind davon nicht betroffen. Baut man allerdings die doch um einiges längere DW 190 1:7,5 mit dem Abzweig links/rechts ein, verschieben sich sämtliche andere Weichen im Einfahrtbereich deutlich, vor allem das Gleis an der Kopframpe wird stark verkürzt.
Zur Verdeutlichung habe ich hier eine Skizze angefertigt, die (von unten nach oben) 1. den ursprünglichen bayrischen Oberbau mit einer DW rechts/links, 2. den bayrischen Oberbau mit einer DW links/rechts, 3. den Oberbau mit einer DW 190 1:7,5 rechts/links und schließlich 4. den Einfahrtbereich mit einer DW 190 1:7,5 links/rechts zeigt:

[[File:Skizze Weichenvergleich.pdf]]

Anhand der Skizze kann man recht gut sehen, dass die Fassung mit der Reichsbahnweiche links/rechts die größten Verschiebungen im gesamten Arrangement ergibt. Daher habe ich mich entschieden (schließlich ist es ja eh eine Interpretation), dass beim fiktionalen Umbau auf Reichsbahnweichen der Ursprungsplan wiederhergestellt wurde. Für mein Empfinden wird so die Charakteristik des Einfahrbereiches am ehesten gewahrt, auch wenn die Einfahrweiche bezogen auf den echten Zustand zu der Zeit "falsch herum" liegt.
Der gesamte Gleisplan sieht daher jetzt so aus:

[[File:NHglp.pdf]]

Der Anlagenbau
In meiner bescheidenen Hütte stehen mir etwa 4,90 x 3,5 m zur Verfügung, die ich mehr oder weniger ausnutze.
Die Anlage wird L-förmig aus Segmenten/Modulen gebaut und auf ein Regal gestellt (Ivar), weils mit der Modultiefe von 50 cm harmoniert. Die Bahnhofssegmente nehmen mit dem Einfahrmodul (mit Fremo-Kopfprofil) eine Gesamtlänge von 3,6m ein, wobei der Bahnhof selbst auf Segmentkästen von 2,8 m unterkommt. Im Anschluß daran folgt ein 80 cm Anlagenteil mit F02-Profil, daran schließen (zu Hause) nicht Fremo87-taugliche Kurvenmodule mit 1000 mm Radius an, die Kurve kommt so auf insgesamt 1,25 x 1,25 m, am Ende ist ein Fiddleyard mit 4 festen Gleisen und einer Tauschkasette von etwa 1,3 Metern.
Spurweite ist 16,5 mm, also H0, Gleise und Weichen entstehen im Selbstbau mit Teilen von Bahnsinn und RST-Modellbau.
Der Fahrzeugeinsatz wird Nebenbahntypisch sein; auf der Rodachtalbahn waren Loks der Baureihen 98.8 und 98.11 (die leider bisher noch von keinem Hersteller berücksichtigt wurde, ich hoffe auf einen Bausatz) im Einsatz, später kamen dann VT 95 und V100.1 dazu, bei den Personenwagen liefen 2- und 3-achsige bayrische Wagen, Donnerbüchsen und 3-achsige Umbauwagen, der Güterverkehr wurde in erster Linie mit verschiedenen Rungenwagen, Drehschemelwagen, O-Wagen und Stückgutwagen bestritten. Für den späteren Fremo-Betrieb wird der Warenein- und Ausgang noch genauer bezeichnet, belegen lässt sich aber in jedem Fall, dass Schiefertafeln und Griffel, geklöppelte Spitze und Holz zu den "Nordhalbener Exportschlagern" gehörten.
Ausser den genannten Fahrzeugen werden noch Loks der Baureihe 64 in verschiedenen Varianten, BR 86, V80, VT98, ein Vorserien VT95 und eine 98.10 zum Einsatz kommen.

Damits nicht ganz so bildlos bleibt - die Bahnhofssegmentkästen sind im Rohbau fertig...



...2 der insgesamt 7 Weichen sind zu etwa 80% fertiggestellt; die restlichen 20% sind Feinarbeiten, die am Schluß gesammelt bei allen Weichen eingebaut werden.
Oben genannte Ausführungen habe ich dann neben der Theorie auch noch mal mit Weichen und Schwellenrosten auf den Modulkisten ausprobiert, der Unterschied ist meines Erachtens nach recht deutlich; hier einmal die Weiche mit den eigentlich richtigen Abzweigen, aber leider totaler Verschiebung:



und einmal mit dem "falschen" Abzweig, dafür aber annähernd korrekter Lage der übrigen Weichen:



Bis denn
Michael

#2 RE: Nordhalben in 1:87 von outatime 24.07.2018 12:53

avatar

Hallo Michael,

schön, dass es bei dir jetzt auch los geht. Ich finde es wirklich interessant, dass wir hier im Forum Nordhalben gleich zweimal haben in verschiedenen Epochen. Die Gleispläne dazu sind doch recht unterschiedlich.
Ich werde hier auch weiterhin gespannt reinschauen.
Den Bausatz für die 98.11 gab es sogar schon, einmal in einer frühen Version von M+F mit eigenem Fahrwerk, welchrs aber nicht so gelungen ist. Später gab es diesen Bausatz dann von Model Loco, angepasst für die Verwendung des Fahrwerks der Fleischmann 98.8.
Ich habe den M+F Bausatz zu Hause liegen und auch schon ein Spenderfahrwerk einer Flm Lok. Früher oder später baue ich sie mal zusammen.

Viele Grüße,
Björn

#3 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 24.07.2018 17:38

avatar

Hallo Björn,

ich hatte zwar noch keinen M+F Bausatz, habe aber schon von vielen gehört, das Murks und Fummel eine berechtigte Ausschreibung des Kürzels war ;)
Ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen für das Projekt! 98.8 von GFN habe ich noch 2, die eine ist schon im Umbaustadium, die andere noch im Original; aus der soll aber erst mal eine 98.8 der zweiten Bauserie werden. Für die 98.11 hoffe ich ein bisschen auf Udo Böhnlein, das er sich doch zu einem Bausatz für Pur durchringt....
Deine Lösung für die Doppelweiche fand ich ziemlich gelungen, hab aber schon lange nicht mehr hier im Forum vorbeigeschaut. Werde mir das am Rechner mal ansehen, hier vom Handy aus ist das mit den Bildern immer etwas naja ;)

Bis denn
Michael

#4 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 06.08.2018 12:11

avatar

Hallo Zusammen,

es geht voran, vornehmlich mit Holzbau - die schönen glatten Modulflächen haben erst mal wieder Löcher für die zukünftige Stellmechanik bekommen und damit ist auch die endgültige Position der Weichen festgelegt; aus 2mm Sperrholz entstanden die Trassenbretter für fast sämtliche Gleise im Bahnhof, die Weichenroste wurden aufgeklebt.
Ich habe mich dafür entschieden, innerhalb des Bahnhofes nur Holzschwellen zu verbauen, weil es mir vom Gesamteindruck her doch stimmiger erscheint als zwischen den Weichen Stahlschwellengleis zu legen; Stahlschwelle wird also nur im Einfahrbereich bis zur ersten Weiche liegen.
Hier ein kleiner Eindruck, was es am Ende werden soll:









Die Fotoqualität im schattigen Garten aus freier Hand ist ein bisschen fragwürding, allerdings möchte ich angesichts der allgemeinen Wetterlage im Moment auf meine "Bastelkammer in Südlage" verzichten, da riskiere ich lieber verlorene Rippenplatten auf der Wiese ;)
Derzeit ist der Plan, die Weichen in "Serienfertigung" anzugehen statt - wie bisher - jede Weiche einzeln zu bauen. Also habe ich zunächst für alle Weichen oben genannte Trassenbrettchen gesägt, Anpassungen für die jeweilige Lage vorgenommen und die Schwellenroste aufgeklebt. Die Brettchen haben auch sofort den Ausschnitt für die Stellmechanik bekommen, dabei verwende ich die Teile, die Michael Weinert mal vor Jahren angeboten hat, weil dort die korrekte Bewegung der Zungen bereits in der Mechanik eingebaut ist. Damit kann also der Klammerspitzenverschluss funktionslos bleiben, die Zungen bewegen sich dann trotzdem "richtig". Die Mechanik ist ausserdem recht klein, so dass man das bequem in ein schmales Brettchen einsägen kann:



Bei den ersten Weichen habe ich das natürlich vergessen - hier wurde mit einer Minibohrmaschine und einem 12 mm Kreissägeblatt nachträglich unter den Schwellen der entsprechende Ausschnitt gemacht.
Zwei der Einfachweichen haben eine leichte Verschachtelung - nachdem die Weichen dann auch mal mit den richtigen Absteckmaßen aufgezeichnet waren, hat sich diese Stelle doch erheblich entspannt. Zunächst bin ich davon ausgegangen, dass die Zunge der zweiten Weiche zwischen dem Herzstück und der letzten Doppelschwelle der ersten Weiche beginnt, aber nach der Korrektur hat sich dass sehr vereinfacht: Weichenende 1 liegt an Weichenanfang 2:



Etwas trickreich fand ich das Ausrichten der Bahnsinns-Schwellenroste: Bei den EW ist der Steg, der die einzelnen Schwellen verbindet, leider nicht identisch mit der Geraden oder dem Abzweig der Weiche, sondern knickt nach ungefähr 8,5 cm ab und verläuft dann mittig zwischen der Linie für den Abzweig und der Geraden. Zunächst habe ich versucht, einzelne Rippenplatten einzustecken und dann die Teile des Rostes mit einem Schienenprofil "aufzufädeln" und den Rost dann am Stück aufzukleben. Das hat letzten Endes auch funktioniert, führte aber zu etlichen Brüchen des Verbindungssteges und damit zum Aufkleben vieler einzelner Schwellen, weil sich das Schienenprofil eben nicht ganz leicht in die Rippenplatten einfädeln lässt und man einfach nicht genug Finger hat, um alle Schwellen beim Einfädeln zu fixieren.
Bei der zweiten EW habe ich es mir dann einfacher gemacht, ich habe schlicht eine Hilfslinie gezeichnet, auf der die Bohrungen des geraden Stranges liegen müssen, das scheint mir eine praktikablere Möglichkeit; die Hilfslinie ist nur undeutlich zu sehen, ungefähr 14 mm vom unteren Rand des Brettchens:



Weiter gehts dann beim Gleisbau mit dem Einkleben der Rippenplatten; das wird, wie oben schon erwähnt, diesmal in Serie in allen Weichen und Gleisen passieren. Damit ich die Trassen dann auch mal befestigen kann, muss als nächstes die Topographie mal in Angriff genommen werden: Der Verlauf der Rodach entlang der Gleise muss ebenso wie der kleine Bewässerungsgraben vor dem Erdwall noch aus den Modulkisten geschnitten bzw. gefräst werden, dann werden die Deckel eingeklebt und die Trasse kann zumindest teilweise schon mal fest aufgeklebt werden.

Bis denn
Michael

#5 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 28.08.2018 11:11

avatar

Tag auch,

der Holzbau ist weitgehend abgeschlossen, deshalb auf die Schnelle ein paar Bilder; die Perspektive verzerrt den Bahnhof etwas, tatsächlich sind das 3,6m vom Anfang des ersten Moduls bis zum Ende:





Die Gleisroste liegen nur grob zur Probe, deshalb etwas windschief. Der Bahnhof wird komplett mit Holzschwellengleis bestückt, dabin ich mir aber noch nicht ganz sicher, ob es das von RST wird oder ob ich Schwellenroste von Bahnsinn nehme:



Der Güterschuppen ist ein vollständiger Selbstbau aus Gips; eigentlich habe ich für alle Gebäude entsprechende Formen bereits hergestellt, allerdings gefällt mir die Steinstruktur der MBZ-Gebäude extrem gut. Jedenfalls habe ich die jetzt bestellt, lediglich der Güterschuppen wird als vollständiger Selbstbau bleiben:





Vom Lokschuppen liegt schon mal der Boden zur Probe - meines Wissens nach hatte der Nordhalbener Schuppen Untersuchungsgruben, deshalb muss da noch mal gesägt werden:



Bis denn
Michael

#6 RE: Nordhalben in 1:87 von Bluffi 29.08.2018 05:29

Hallo Michael

Sehr interessante Gleisgestaltung mit den 3 Dreiwegeweichen - gefällt mir sehr gut, da sich damit eine gute Längenauslastung der Bahnhofsgleise erzielen läßt.
Auf dem letzten Bild jedoch sieht man, daß du meiner Meinung nach ca. 10cm zum Modulrand hin "verschenkst", oder ist das Absicht?

Gruß Ulf

#7 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 29.08.2018 15:05

avatar

Hallo Ulf,

ja, das ist Absicht ;) Da es ja Nordhalben als so maßstäblich-wie-möglich Umsetzung ist, habe ich mich da an den Originalgleisplan bzw. den aus dem grünen Hp1, der dort vor Jahren war, gehalten.
Jetzt gibt es einen Haken, der mir erst vor kurzem aufgefallen ist: Dadurch, dass die von mir verwendeten Reichsbahnweichen etwas länger sind als die ursprünglich verbauten und bis in die 1960er liegenden bayrischen Weichen verkürzt sich natürlich der Raum dazwischen etwas. Die Anfangs- und Endmaße habe ich allerdings aus dem Gleisplan genommen. Vielleicht sollte ich das noch mal kritisch unter die Lupe nehmen, um wie viele Zentimeter es da geht, zum Modulrand wäre ja tatsächlich noch etwas Platz.
Danke für den Gedanken ;)

Bis denn
Michael

#8 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 16.03.2019 21:54

avatar

Guten Tag zusammen,

ist schon wieder eine Weile her, das ich hier geschrieben habe, allerdings zieht sich der Bau auch etwas hin, also erst mal eine kurze Fortsetzung:
Weitergegangen ist es u.a. mit viel Recherche, dem Gleis- und Weichenbau etwas. U.a. hat mir der Kohlekran in Nordhalben etwas Kopfzerbrechen bereitet. Zu sehen ist der im Buch "Die Rodachtalbahn" auf 2 Fotos, wobei das auf S.128 etwas deutlicher ist. Wirklich Klarheit über die doch filigrane Konstruktion brachte dann aber erst ein Bild des Fundamentes, das mir die Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn dankenswerterweise zur Verfügung gestellt haben:



Daraus entstand dann eine Konstruktion aus Messingrohr und Schienenprofilen, wobei das hier gezeigte Code 83 Profil noch rumlag und gegen Code55 Profile getauscht wird, da es mir etwas grob erscheint:






Ebenfalls an den Gebäuden ging es weiter; hier gab es aber erst mal einen "Farbtest" mit dem Abort, bevor ich mich an die größeren Bauten gewagt habe. Die Farbe für den Güterschuppen habe ich vor gut 8- 10 Jahren angemischt, davon ist natürlich nix mehr übrig; also musste ich rumprobieren, bis der Farbton passte. Besondere Tücke dabei: Der Grundton des Mauerwerks muss deutlich dunkler sein als der angepeilte Farbton am Ende, weil die Fugen mit mehreren Lagen heller, stark verdünnter Farbe ausgelegt werden. Bei den Kartonmodellen muss man zudem die Ecksteine spachteln, da die natürlich konstruktionsbedingt nicht um die Ecke gehen, rechts sind die Spalte gut zu erkennen:






Das ist schon mal in Grundfarbe gehalten, dann gings ans Spachteln, Fugen auslegen und pinseln, bis es farblich mit dem GS passte:





Blöderweise ist mir erst danach aufgefallen, dass die Ecksteine beim Vorbild nicht aus dem hellen, sondern dem dunklen Stein gemauert sind, das habe ich mittlerweile korrigiert.
Beim Gleisbau ist mir dann ein weiterer Fehler aufgefallen: Bei der Zeichnung der Gleise auf das Modul muss ich mich entweder verzeichnet oder total vermessen haben, jedenfalls ging zwischen die Abzweige der Weichen keine Zwischengerade. zunächst hatte ich befürchtet, aus Versehen statt einer EW 190 1:7,5 eine 1:6,6 gebaut zu haben, tatsächlich waren die letzten 4 Schwellen im Abzweig nur unsauber aufgeklebt, das war aber nicht die komplette Lösung - die Weichen waren für den Parallelgleisabstand zu dicht zusammen gerutscht mit unschönem Effekt - statt der Zwischengeraden gab es einen Zwischenbogen



Aus dieser Position vielleicht etwas besser zu sehen - ein Versatz von ungefaähr der Profilbreite:



Also musste die Position aller Weichen korrigiert werden, um das besser zu erkennen, wurden überall die entsprechenden Profile eingezogen, damit es keine Überraschung nach dem ankleben der übrigen Gleise gibt:



Damit konnte der Gleisbau auf dem ersten Modul fortgesetzt werden: Zuerst wurde der Boden des Lokschuppens mit Kleineisen und Profilen bestückt...



....und angeschlossen...



....mit Schuppen getestet...



... und vervollständigt für eine kleine Stellprobe mit Kran....



Die Kopframpe musste auch mal testgebaut werden....



...und wenigstens rudimentär verfeinert:





Außerdem habe ich mich an meinen Angstgegner gewagt - eine Doppelweiche. Die ist zwar noch nicht fertig, aber in der groben Struktur schon mal aufgebaut. Noch offen ist der Bau des ersten Herzstückes, weil im Abgleich mit der Originalzeichnung ersichtlich wurde, dass das Futterstück hier ein deutlich kürzeres ist als die anderen Futterstücke, das Ende der Flügelschiene sollte am Ende des Futterstücks liegen:



Insgesamt siehts jedenfalls schon mal nach Weiche aus:



...und der erste GmP musste auch mal testfahren - wenn auch nur bis zur Weiche ;)



Bis denn
Michael

#9 RE: Nordhalben in 1:87 von outatime 16.03.2019 22:18

avatar

Hallo Michael,

schön, dass es bei dir mit den Gebäuden weiter geht.
Ich habe bei der Testlackierung vom WC-Gebäude den umgekehrten Weg gewählt und zuerst alles im hellen Ton der Fugen lackiert.
Danach habe ich die Steine mit einem Pinsel dunkel eingefärbt, bei dem WC-Gebäude funktionierte das sehr gut.
Als nächstes hatte ich mir dann den Güterschuppen vorgenommen und war bei den größeren Steinflächen mit meiner Methode nicht zu Frieden.
Die hellen Fugen wirkten einfach viel zu groß.

Deine Idee mit der dunklen Grundfarbe und dem Auslegen der Fugen mit sehr flüssiger hellgrauer Farbe überzeugt mich auf den Bildern.
Ich werde das bei meinen Güterschuppen auch mal so probieren, er verträgt sicher noch eine Schicht Farbe.

Viele Grüße,
Björn

#10 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 18.03.2019 11:07

avatar

Hallo Björn,

so bin ich damals bei meinen Gips-Bauten auch vorgegangen mit dem gleichen Effekt - viel zu breite Fugen. Bei den Kartongebäuden funktioniert das auch mit dem Auslegen der Fugen recht gut, nur der Lokschuppen wölbt sich trotz der Vorbehandlung mit der von Thomas Oswald empfohlenen Grundierung recht stark. Mit vorsichtigem Biegen lässt sich das aber wieder richten, die genaue Vorgehensweise beim zusammenbauen und Bemalen muss ich selbst noch rausfinden. Ich habe eine grobe Vorgehensweise im Kopf, muss ich aber noch ausprobieren...

Bis denn
Michael

#11 RE: Nordhalben in 1:87 von Axel-T 18.03.2019 13:45

Hallo Michael
Unbedingt bei der Doppelweiche an die Isolation vom Herzstück denken!
Schau mal hier: http://www.bernd-raschdorf.de/herzstueck.htm und bei Weichenwalter: https://www.weichen-walter.de/produkte/H0-WmG/detail/dw.html
Noch kann man einfacher Sägen ...

Ansonsten sieht die Weiche klasse aus!

LG,
Axel

#12 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 19.03.2019 20:20

avatar

Hallo Axel,

ja, deshalb baue ich mich auch langsam vor. Derzeit werden die ganzen noch fehlenden Kleineisen bearbeitet und eingebaut, die meisten davon müssen auch gestückelt, gekürzt oder gegeneinander ausgeschränkt werden, in den vergangenen 2 Tagen habe ich so um die 80 davon zersägt, befeilt und eingepasst. Die Radlenker sind auch teilweise tückisch. Vielleicht komme ich am Wochenende mal zu einem Update. Bevor da dann irgendwas verlötet wird, werde ich die elektrischen Tücken nochmal genau durchgehen.

Bis denn
Michael

#13 RE: Nordhalben in 1:87 von Axel-T 20.03.2019 17:24

Hi Michael
:-)
Ich habe zwei DKW gebaut und bin noch nicht fertig. DAher weiss ich, was Du meinst.
Mein Hinweis sollte nur der Betriebblindheit vorbeugen ;-)

LG,
Axel

#14 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 20.03.2019 18:47

avatar

Hallo Axel,

auf jeden Fall noch mal Danke für den Hinweis. Ein Bekannter von mir meinte auch kürzlich bei einem Basteltreffen, ich sollte mir das vorher aufzeichnen; das Problem dabei war für mich, das ich anhand der Zeichnung nicht wirklich hätte sagen können, wie und wo in der Realität elektrisch leitende Teile wie Rippenplatten oder bspw. Schienenfüße zusammenstoßen, weils doch an einigen Stellen eng zugeht. Mittlerweile habe ich hoffentlich die Isolierstellen alle identifiziert, aber sicherheitshalber mache ich dann doch noch eine Zeichnung, bevor irgendwas endgültig gelötet wird.
DKW? Spannend, hast Du hier irgendwo einen Baubericht dazu? Den würde ich mir gerne mal ansehen ;)

Bis denn
Michael

#15 RE: Nordhalben in 1:87 von Wilzschhaus 21.03.2019 06:10

Hallo Michael,

Mein Respekt für den vielen Gleis(eigen-)bau. Das erfordert viel Geduld. Vor allem die Doppelweiche ist ein regelrechtes Schmuckstück!

Gruß, Peter.

#16 RE: Nordhalben in 1:87 von Axel-T 21.03.2019 18:00

Hallo Michael
Die DKW stammt aus einem Bausatz von Hobbyecke Schumacher.
Beim Justieren habe ich Teile wieder unabsichtlich rausgerissen.
Fotos hier: https://www.thobaben.ch/moba/?p=744

Daher bin ich noch nicht weiter. Ich werde mir bei Gelegenheit mal einen Rost für die DKW auf der Fräse machen. Aber vorher sind ungefähr 5000 andere Sachen dran.

LG,
Axel

#17 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 25.03.2019 20:31

avatar

Hallo Zusammen,

@Peter: Danke, insgesamt brauche ich 3 davon, das wird wohl noch etwas dauern ;)
@Axel: Interessant, wie die Schumacher-Weichen aufgebaut sind - die Profile werden quasi als vollständig verlötetes Teil geliefert. Das 2 DKW nicht identisch sind, ist natürlich nicht so doll, sieht aber trotz des Unfalls gut aus ;)

die vergangene Woche war Geduldsarbeit angesagt, es ging im Sinne des Wortes um das Herzstück bzw. die Herzstücke der Weiche. Dafür und für die Radlenker im Bereich mussten viele Kleineisen halbiert, zurechtgefeilt, eingepasst und die erwähnten Isolierstellen identifiziert werden. Deshalb gibts nur kleine Fortschritte, die eher nach Rückschritt aussehen, weil ich die Doppelweiche ja weitgehend wieder zerlegen musste, also doch manchmal rückwärts, um vorwärts zu kommen...
Die eigentlich komplizierteste Stelle der Weiche sind die dicht zusammen liegenden Herzstücke und die Radlenker in dem Bereich, im Plan sieht das so aus:



Im Modell geht es um diese Stelle:



Hier die beiden Radlenker, der untere um etwa 5 mm gekürzt, das Futterstück ist noch in normaler Länge:



....und dann weiter rantasten, das Futter kürzen und vorsichtig so lange beschleifen, bis es passt:





Dann ging es an den beiden Herzstücken weiter, hier ist das einpassen der Rippenplatten noch mal eine besondere Herausforderung, weil halbieren nicht immer reicht; die Flügelschiene des linken Herzstückes bekommt auch noch eine Rippenplatte auf der ersten Schwelle links der Doppelschwelle, da mus man sich allerdings in Zehntelmillimeterschritten vorwärtsfeilen - irgendwann ist das so dünn, dass der Schienenfuss nicht mehr gehalten wird:



Hier ist eine Trennstelle einzubauen, die untere Flügelschiene des ersten Herzstückes muss auf der Doppelschwelle nach der Gelenkplatte noch getrennt werden, ebenso muss das Futterstück des ersten Herzstückes deutlich gekürzt werden; ausserdem müssen die Teile in einer bestimmten Reihenfolge verbaut werden, sonst passt das nicht. Zuerst wurde das Futterstück für das erste Herzstück auf die richtige Länge gebracht werden, da dieses Herzstück kürzer ist als die anderen. Dazu wurde ein Stück aus der Mitte gesägt, um die Öffnungen etwa wie beim entsprechenden Vorbild-Futterstück hinzubekommen:



Die Teile wurden nicht wieder verlötet, sondern werden später in das Herzstück eingeschoben und dann insgesamt verlötet. Zunächst musste die Länge aber aufs richtige Maß gefeilt werden, beim sägen war ich zu vorsichtig:



Dann gings ans Eingemachte, die Reihenfolge Schritt für Schritt in Bildern; zuerst werden die Kleineisen vervollständigt...



...wobei das Kleineisen auf der Schwelle links der Doppelschwelle erst gesetzt werden kann, wenn das Profil eingeschoben ist, der Schienenfuß muss an der Stelle komplett runtergefeilt werden, das Kleineisen muss ebenfalls runtergefeilt werden, bis der Schraubenkopf nahzu halbiert ist:



Einpassen der Flügelschienen...



...und von Haupt- und Beispitze...


wenn die Längen stimmen, Haupt und Beispitze rausziehen, vordere Hälfte des Futters rein, Haupt und Beispitze rein, abgesägte Teile des Futters einschieben ...



...was Dank der Schraubenköpfe auf den Kleineisen eine ziemliche Fummelei ist...



...dann kann endlich der Lötkolben dran; links an dem kurzen Schienenabschnitt wurde schon mal ein Kabel angelötet, und weil dieses kurze Stück über die halbierten Kleineisen nicht wirklich gehalten wurde, habe ich es an einem Kleineisen festgelötet; obwohl das ein Stück von der Gelenkplatte weg war, ist die leider trotzdem etwas in Mitleidenschaft gezogen worden, dass liess sich aber mit Sekundenkleber beheben; als Isolierung kam ein Stück 0,5mm PS zwischen die Schienen, das mit Sekundenkleber fixiert und mit einem Skalpell zurechtgeschnitzt wurde.



Dann kam Herzstück 2 an die Reihe...



...und kaum war alles verlötet, habe ich eine Spurverengung gefunden, die durch die schmale Rille in Herzstück 2 entstanden ist. Hier musste ich die untere Flügelschiene an einigen Kleineisen festlöten, während das gesamte Herzstück auf dem Bild "nach unten" gedrückt wurde, gegenüber wurden die Kleineisen mit einer 0,2mm starken Trennscheibe etwas geweitet, jetzt passt es

Bis denn
Michael

#18 RE: Nordhalben in 1:87 von Michael64 02.04.2019 12:45

avatar

....und der Rest vom Bastelfest....

Tag Zusammen,

der vorläufige des Weichenbaus ist schnell erzählt: Das letzte Herzstück inclusive der Kleineisen...



und eine mehr-oder-weniger Gesamtansicht:



Dann gings an die Stromversorgung; um nicht mit dem Lötkolben an engen und schlecht erreichbaren Stellen Bratschäden ungeahnten Ausmaßes und Lötstellen mit fragwürdigem Leumund zu produzieren, wurde die 2mm Grundplatte der Weiche an den Stellen, an die Kabel sollten, von oben gebohrt und anschließend von unten so weit aufgefräst, dass man mit dem Lötkolben mehr oder weniger bequem (meist eher weniger, macht warme Finger ) an die Schienen zu kommen und auch zu sehen, ob die Lötstelle in Ordnung ist:



Es ist angerichtet: Kabelsalat...



Dann wurde die Mechanik von Michael Weinert verbaut; in die Röhrchen wurde 0,6 mm Phosphorbronzedraht geklebt, der dann mit den Zungen verlötet wird. Die Stellschwelle wird erst später und als Attrappe eingesetzt; die Mechanik bewegt die Zungen vorbildentsprechend nacheinander:



Im Anschluss hat mich die Ungeduld übermannt, also wurde das gute Stück erst mal ins Modul gesetzt, provisorisch verkabelt und die Entgleisungsdiva musste probefahren:

https://youtu.be/8EsmOoN0kh8

Ist kurz aus der Hand mit dem Telefon gefilmt, nicht über das Gewackel wundern. An der Weiche fehlen noch etliche Details und auch einige größere Teile wie Radlenker etc.; die werden nach und nach eingebaut, zunächst möchte ich alle Weichen in ein so befahrbares Stadium bringen, also müssen noch 2 DW und 2EW gebaut werden; über die werde ich nicht mehr so kleinteilig berichten, ist ja im Prinzip immer das gleiche ;)

Bis denn
Michael

#19 RE: Nordhalben in 1:87 von Wilzschhaus 02.04.2019 21:40

Hallo Michael,

Echt schöne Arbeit!
Ein wackeln kann ich da nicht erkennen.

Gruß, Peter.

#20 RE: Nordhalben in 1:87 von Axel-T 03.04.2019 08:13

Hallo Michael
Tolle Arbeit. Für die DKW steht bei mir auf dem Zettel, das ich mir aus Platinenmaterial einen Weichenrost erstellen will.
Leider habe ich keine passende Zeichnung von der DKW.
Die von Schuhmacher ist leider verzogen vom vielen Kopieren einer Kopie.

Ich habe eine gescannte Ausgabe vom Wulfert - Reichsbahnweichen hier. Die hier könnte passen.

Ich muss aber noch nachmessen, skalieren und zeichnen. Und das kommt nach Studienende (neben dem Job).
Sonst geht das alles nicht.

LG,
Axel

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz