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#1 Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von spatz 27.10.2016 21:28

Hallo,

während der Vorbildrecherche zu den Winsener Kleinbahnen wurde mir der sehr interessante Betrieb in und um den Bahnhof Winsen (Luhe) Süd bewußt, der sich aus meiner Sicht sehr gut für eine Umsetzung ins Modell eignet. Als Anschlußbahnhof an die Staatsbahn sowie gemeinsamer Endpunkt der Kleinbahnstrecken nach Niedermarschacht und Hützel wurden in Winsen Süd sowohl Nah- als auch Durchgangsgüterzüge und einfache Übergaben gebildet. Im Personenverkehr wurden neben Triebwagen auch lokbespannte Züge - teilweise sogar mit Kurswagen von der DB - eingesetzt. Die Zugehörigkeit zu den Osthannoverschen Eisenbahnen brachte zudem - gerade durch die meist ab Celle verkehrenden Durchgangsgüterzüge - eine Fülle an unterschiedlichen Triebfahrzeugen nach Winsen. Diesen abwechslungsreichen Betrieb möchte ich gerne zumindest andeutungsweise im Modell nachbilden. Dabei geht es aber nicht um einen sklavischen Nachbau einer bestimmten Epoche. Da dies der (Wieder-)Einstieg in das Modellbahnhobby nach fast 20 Jahren ist und ich zudem den Vorbildbetrieb nur als Laie kenne, hoffe ich hier auf Unterstützung bei der Anlagenplanung.

Zunächst der obligatorische Anlagen-Steckbrief:

Welches Gleissystem soll eingesetzt werden?
2-Leiter Gleichstrom. Es sollte Betrieb mit NEM- und RP25-Radsätzen möglich sein - möglicherweise Tillig Elite (bisher ist kein Gleismaterial vorhanden)? Mir gefällt außerdem die Philosophie hinter dem S21-Modellgleissystem.

Wieviel Platz hast Du zur Verfügung?
Derzeit kann die Aufstellung in einem Wohnzimmer mit etwa 3,5x4m Grundfläche erfolgen. Da sich hier jedoch als einzige Heizmöglichkeit ein Kaminofen befindet, muß die Anlage für die Heizperiode in das Schlafzimmer ausweichen - oder ein intensiver Betrieb realisierbar sein, der ausreichend Abwärme erzeugt ;-). Es steht sicherlich auch noch der ein oder andere Umzug an, so daß die Anlage zerlegbar bzw. transportabel sein sollte. Eine Teilnahme an Modultreffen ist aber vermutlich nur sehr schwer realisierbar, daher ist ein genormter Modulübergang nicht notwendig und muß ein Einzelbetrieb möglich sein.

Kreisverkehr?
Nein.

Mindestradien
Es sollte zumindest im sichtbaren Bereich ein ansprechender Anblick auch von langen Fahrzeugen (z.B. GDT, DL200093 von Wiekra bzw. Tiger von Mehano, "Silberlinge") möglich sein.

Kopfbahnhof? Welches Thema soll deine Anlage haben? Welche Betriebsstellen sollen auf der Anlage sein?
Kleinbahnstrecken in und um Winsen (Luhe) Süd mit vorbildnahem Betrieb. Günstige Wahl der Betriebsstellen, um die Besonderheiten im Betriebsablauf möglichst umfassend darstellen oder zumindest andeuten zu können. Der Nachbau zumindest eines Teils vom Bahnhof Winsen (Luhe) Süd scheint für eine umfassende Darstellung des Verkehrs auf den Winsener Strecken notwendig zu sein. Außerdem enden die Streckengleise aus Niedermarschacht und Hützel hier günstig stumpf am Bahnsteig und dienen gleichzeitig als Ausziehgleise beim Auflösen und Bilden der Züge.

Epoche? Welche Fahrzeuge sollen eingesetzt werden?
Dieseltriebfahrzeuge überwiegend aus Epoche III (bis V). Natürlich werde ich auch Exoten einsetzen wollen - eine Ludmilla oder Class 66 auf dem Winsener Streckennetz hätte ich noch vor 10 Jahren als eben solches angesehen...

Welche Gebäude sollen mit rauf?
Da habe ich keine Vorgaben. Es gibt einfach zu viele schöne Gebäude an den genannten Strecken.

Der Schattenbahnhof/Betrieb
Es soll Betrieb nach vorbildnahem Fahrplan und Zugbildung nach vorbildnaher Güterzugbildungsvorschrift durchgeführt werden. Die Bevorratung der Züge kann im offenen Fiddleyard oder in Kassetten erfolgen. Gute Zugänglichkeit sollte gegeben sein.

Wer soll auf der Anlage spielen?
Zunächst einmal ich; danach, wer sich sonst noch von der Begeisterung anstecken läßt ;-). Wahrscheinlich max. zwei bis drei Personen, die infrage kommen.

Steuerung analog, digital oder über PC?
Weichen, Gleissperren usw. sollten wie beim Vorbild von Hand oder per Seilzug(?) bedient werden können. Ansonsten habe ich keine Vorgabe. Derzeit stehen einige analoge Triebfahrzeuge zur Verfügung.

Sonst noch was?
Die Anlagentiefe sollte möglichst gering sein - seit der Lektüre von "Mit Rolf Knipper an die Küste" habe ich meist mit 15cm bei Strecke und 30cm bei Betriebsstellen gerechnet. Außerdem sollten möglichst wenig Modulübergänge durch Betriebsstellen hindurch gehen. Der sichtbare Bereich soll eventuell als Bühne gestaltet werden.

Und nun ein paar Informationen zum Vorbild:

Verkehr auf den Strecken nach Hützel und Niedermarschacht
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Der Personenverkehr auf der Strecke nach Niedermarschacht wurde bereits sehr früh mit zweiachsigen Triebwagen bewältigt - in erster Linie mit den Wismarer Schienenbussen VT506 bis VT509 aber auch mit dem ebenfalls aus Wismar stammenden DT511. Vereinzelt begannen und endeten die Fahrten in Mover. Auf der Strecke nach Hützel kamen im Berufsverkehr ein GDT - teils durch Beiwagen verstärkt - und im Ausflugsverkehr am Wochenende ein aus zweiachsigen Personenwagen (auf Fotos sind meist zwei oder vier Wagen zu sehen) gebildeter und von einer 800er oder 1000er MaK-Stangenlok geführter Zug zum Einsatz. Einige dieser Züge fuhren nur bis Salzhausen. Ab Ende der 1950er Jahre bis Ende der 1960er Jahre gab es sonntags Kurswagenverbindungen für den Ausflugsverkehr in die Lüneburger Heide zunächst von Celle (OHE-Wagen?), später ab Hamburg mit Übergang von und zur DB in Winsen ("Silberlinge", s.a. http://www.kdtroeger.de/ohe340.htm). Der Personenverkehr nach Niedermarschacht endete am 21. Mai 1966, nach Hützel wurde der Betrieb am 30. Mai 1970 eingestellt.

Im Güterverkehr gab es neben den üblichen Nahgüterzügen - nach Niedermarschacht bis in die 1950er Jahre teilweise als GmP - mehrere Durchgangs- und Ganzgüterzugverbindungen die auf dem OHE-Netz von Celle über Soltau und Hützel nach Winsen und zurück führten. Für den Umschlag auf Binnenschiffe gab es bereits um das Jahr 1950 täglich mehrere Übergabefahrten ab Winsen zum Ilmenau-Hafen in Fahrenholz. Zwischen 1957 und 1968 waren Übergaben ab Winsen sowohl zum Nettelberg als auch nach Fahrenholz erforderlich, da Rohöl bereits in der Anlage 1 des neu errichteten Umschlagbahnhofes am Nettelberg verladen wurde, während der Umschlag von Kalisalzen bis zur Fertigstellung der Anlage 2 noch in Fahrenholz stattfand. Zunächst bediente das tägliche Nahgüterzugpaar jeden Unterwegsbahnhof mit teilweise längerem Aufenthalt in Wulfsen zur Übergabe und -nahme von Güterwagen an die Staatsbahn (bis 1962). In den 1960er Jahren verkehrten zusätzlich zwei Nahgüterzugpaare bei Bedarf, sowie in der Kartoffel- und Rübensaison ein weiteres Nahgüterzugpaar. Diese Nahgüterzüge fuhren Luhdorf nicht mehr an, welches nun durch drei werktägliche Übergabezugpaare ab Winsen bei Bedarf bedient wurde.

Für den Gleisanschluß der Fa. Kahl ("Roesch") Geflügelmastanstalt in km 1,1 der Strecke nach Niedermarschacht, welcher am 26. März 1913 die Inbetriebnahmeerlaubnis erhielt, wurde angeblich noch am 18. Februar 1957 eine Bedienungsanweisung veröffentlicht, so daß davon auszugehen ist, daß zumindest kurzzeitig parallel zu den beiden oben genannten Übergaben noch sporadisch die Bedienung dieses Gleisanschlusses ab Winsen Süd hinzukam. Ebenso wird wohl auch der Gleisanschluß der Rübelmann-Werke in km 2,3 der Strecke nach Hützel per Übergabe ab Winsen Süd oder evtl. Luhdorf(?) durchgeführt worden sein. Die für das Furnierwerk Danzer in Winsen bestimmten Wagen, welches seit Mitte der 1960er Jahre einen Gleisanschluß (mit Spillanlage) in km 3,3 der Strecke nach Niedermarschacht besaß, dürften hingegen sowohl den Nahgüterzugen nach Niedermarschacht als auch den bedarfsweise verkehrenden Übergabezügen zum Nettelberg beigestellt und dann von dort aus zugestellt worden sein.

Hier sind noch einige Unterlagen, die für die Umsetzung ins Modell hilfreich sein könnten:

1. Rekonstruierter Lageplan des Bahnhofes Winsen (Luhe) Süd zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung etwa um das Jahr 1960 u.a. auf Basis von Angaben aus dem Netz (Fotos, Pläne, etc...) und Unterlagen aus Landes-, Kreis- und Stadtarchiven. Um das Jahr 1960 war der Bahnhof jedoch vermutlich - entgegen der gezeichneten Darstellung mit Trapeztafeln - mit (Einfahrt-)Flügelsignalen oder sogar mit Lichtsignalen ausgestattet. Die weitere Signalaustattung und die Lage der Gleissperren wurden einem Plan von 1954/55 entnommen.

Rekonstruierter Lageplan (ca. 1960) [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/fyqZocS9

2. Aus dem Buchfahrplan von 1964 (s.a. http://www.kdtroeger.de/ohefb3.htm ) übertragener Bildfahrplan für die Strecken nach Niedermarschacht und Hützel. Hieraus läßt sich aus meiner Sicht besser als beim Buchfahrplan abschätzen, was auf den Strecken los war. Im Streckenband sind dabei alle jemals vorhandenen Betriebsstellen und deren Gleise - jeweils zum Zeitpunkt maximaler Ausdehnung - dargestellt, soweit sie nachvollzogen werden konnten. Bei den als "Kiesgrube" bezeichneten Anschlußstellen kann es sich teilweise auch um solche für Kieselgur handeln, welche besonders im Bereich um Hützel abgebaut wurde.

Winsen-Niedermarschacht 1964 [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/ZCK5I2EN
Winsen-Hützel 1964 [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/9WqZockz

3. Schematische Übersicht der mutmaßlichen Entwicklung der Gleisanlagen des Bahnhofs Winsen Süd auf Basis von Angaben aus dem Netz (Fotos, Pläne, etc...) und Unterlagen aus Landes-, Kreis- und Stadtarchiven.

Entwicklung Winsen(Luhe) Süd (schematisch) [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/0YK5I7Fc

4. Schematische Übersicht über die Zeiträume, in denen aus meiner Sicht interessante Anlagen- und Betriebszustände für die Modellumsetzung herrschten. Fragen wirft hier insbesondere noch der Kurswagenverkehr auf. Interessant ist beim Übergabeverkehr in Wulfsen zwischen DB/OHE, daß noch zwei Jahre vor Einstellung dieser Übergabe die Einrichtung eines durchgehenden Personenverkehrs von Buchholz i. d. Nordheide in die Kreisstadt Winsen im Kreisausschuß erörtert wurde.

Interessante Zeiträume [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/5eKZIq4p

Der Gemeinschaftsbahnhof Winsen (Luhe) Süd
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Nach über zehn Jahren der Planung entstand im Jahr 1906 im Nordosten des Staatsbahnhofes Winsen (Luhe) der Anschlußbahnhof der Kleinbahn Winsen-Evendorf GmbH als nördlicher Endpunkt der Strecke nach Egestorf. Bereits bei den ersten Planungen, die sowohl Varianten für Normal- als auch Schmalspur umfassten, war eine Fortführung der Strecke nach Hoopte an die Elbe geplant, die jedoch nie verwirklicht wurde. Bei Planung und Bau der Bahn, an welchen auch die Firma Lenz beteiligt war, orientierte man sich teilweise an der Kleinbahn Lingen-Berge-Quakenbrück, heute noch gut erkennbar am Empfangsgebäude in Egestorf, welches nach Zeichnungen des Empfangsgebäudes in Berge errichtet wurde. Schon im Jahr 1912 erfuhr der Bahnhof Winsen eine umfangreiche Erweiterung zur Einfädelung der neu eröffneten Strecke nach Niedermarschacht. Bis in die 1950er Jahre beschränkten sich die weiteren Änderungen im wesentlichen auf die Betriebswerkstatt, die auf der Nordseite die Lok- und Triebwageneinstellplätze und auf der Südseite Werkstattgleise für die Ausbesserung von Wagen und Triebfahrzeugen beheimatete. Für die ab den 50er Jahren zunehmenden Verkehre zum Hafen in Fahrenholz und später zur neu errichteten Umschlaganlage für Rohöl und Kalisalze am Nettelberg wurde der Bahnhof 1955 um einige Abstellgleise erweitert. Um das Jahr 1965 hatte der Kleinbahnhof die umfangreichsten Gleisanlagen und außerdem zwei private Gleisanschlüsse zum Bauunternehmen Adolf Meyer&Co. sowie zum Landhandel Rudolf Sievers (ab 01.07.1971 Landhandel Rudolf Peters). Das ehemals dritte private Anschlußgleis führte ursprünglich zu einem Lagerplatz, welcher später an die Viehverkaufshalle Winsen/Luhe eGmbH verkauft wurde. Bereits 1957 wurde es für den Bau einer 82m langen Viehrampe von der OHE übernommen und in ein öffentliches Ladegleis mit Laderampe umgewandelt. Nach Einstellung des Personenverkehrs auf der Strecke nach Hützel wurde der Bahnhof ab Mitte der 1970er Jahre stückweise zurückgebaut. Auf dem Gelände der ehemaligen Betriebswerkstatt entstand der neue Betriebshof mit einer kombinierten Lokomotiv- und Omnibuseinstellhalle. Alle(!) markanten Gebäude im Umfeld des Bahnhofes sind mittlerweile abgerissen:
- Betriebswerkstatt m. Nebenbauten,
- Betriebsgebäude m. Güterabfertigung, Bahnmeisterei und Stellwerk,
- Güterschuppen,
- Viehverkaufshalle,
- Restaurant "Zur Kleinbahn",
- Siloturm

Gleisnutzung und Bahnhofsfahrordnung in Winsen(Luhe) Süd
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War bei Eröffnung der Kleinbahnstrecke der Bahnhof noch mit einem Umfahrgleis (Gleis 3) ausgestattet, welches das Umsetzen der Zuglok ermöglichte, wurde dieses mit Umstellung der (dampf-)lokgeführten Personenzüge auf Triebwagen offensichtlich nicht mehr für notwendig erachtet; in den Gleisplänen ab 1955 sind jedenfalls bereits alle vom Hauptgleis (Gleis 1) abzweigenden Gleisverbindungen mit Gleissperren gesichert - den Symbolen nach alle in Grundstellung geschlossen. Was auf den ersten Blick ungünstig wirkt, erscheint auf den zweiten Blick verständlich. Denn auch für Güterzüge war ein direktes Umsetzen nicht notwendig, weil jeder ankommende Zug ohnehin vollständig zerlegt und die Wagen auf die einzelnen Ladestellen, die Übergabe zur DB oder neue Züge (Üb oder Ng) verteilt wurden. Auf alten Fotos vom Betrieb in Winsen scheint es denn auch so, daß die Gleise 3, 4 und auch 7 (vor der GA) eher als Richtungsgleise für einzelne Wagengruppen und Aufstellgleis für den Ng genutzt wurden. Daß die Güterzüge aus Hützel aber auch direkt in das Gleis 9 eingefahren sind, läßt unter anderem dieses Bild auf http://www.kdtroeger.de/ohe327.htm (zweites Bild von oben) vermuten.

Für 1957 ist der Einbau eines Stellwerkes mit Hebelbank in das Betriebsgebaeude (GA, GS, Bm) zwischen Gleis 7 und 8 dokumentiert. Leider ist aus den entsprechenden Plänen nicht zu ersehen, ob und welche Weichen nun ferngestellt sind. Einfahrsignale sind bereits in den Plänen von 1954/55 eingezeichnet, so daß es sich wohl auch nicht um diese handelt.

Umsetzung ins Modell
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Da selbst mit den recht umfangreichen vorhandenen Unterlagen die exakte Gleislage nicht zweifelsfrei rekonstruiert werden konnte, erscheint mir der Aufwand einer akribischen Umsetzung der Gleisanlagen im Maßstab 1:87 - unabhängig von den technischen Möglichkeiten - nicht gerechtfertigt. Bei der Modellumsetzung strebe ich daher eher an, den interessanten Betriebsablauf mit verkürzten Nutzlängen nachstellen zu können. Die Rangierbewegungen zum Bilden und Zerlegen der Güterzüge sowie das Verteilen auf die im Bahnhof befindlichen Ladestellen fanden vermutlich überwiegend über die Nordseite des Bahnhofes statt. Eine Nachbildung des südlichen Bahnhofteils habe ich daher recht früh aufgegeben. Das herrliche Betriebsgebäude mit GA, GS, Bm und Fdl zwischen Gleis 7 und 8 kann hingegen wunderbar als Sichtschutz für die Einfahrt in den Schattenbahnhof dienen. Die Gleise 1, 3, 4 und 7 werden nur angedeutet und enden am rechten Anlagenrand, an den ein Fiddleyard mit Schiebebühne oder einfache Speicherkassetten anschließen können. Auf diese Weise finden die jeweiligen Rangierbewegungen zum Bilden und Zerlegen der Züge, sowie zur Bedienung der einzelnen Ladestellen über die ausgestalteten Weichenverbindungen statt, während die Schiebebühne oder Speicherkassetten nicht für eine komplette Zuglänge sondern nur für die längste zu rangierende Wagengruppe ausgelegt sein müssen. Der Plan ist mit auf 10° Abzweigwinkel gekürzten Weichen von Tillig, sowie der DKW von Roco mit dem gleichen Abzweigwinkel und einem Gleisabstand von 52mm gezeichnet. Die Gesamtanlage kann mit einer Länge von 260cm und einer Tiefe von 45cm sehr gut auf zwei Segmente mit je 130cm Länge aufgeteilt werden. Der Segmentübergang käme dann in etwa zwischen den Weichen W2, W3 und W4 zu liegen. Ein drittes Segment mit ebenfalls 130cm Länge könnte dann den Schattenbahnhof aufnehmen und somit gut die zur Verfügung stehenden 4m Wandlänge - inkl. der Bautoleranzen - ausfüllen. Sorgen bereitet mir das Übergabegleis, das ich nicht an den rechten Anlagenrand heranbekomme, ohne die sichtbare Nutzlänge der Gleise 1, 3, 4 und 7 zu verringern. Nach jetziger Planung würde ich hier versuchen, ein Ansatzstück für die Aufnahme von Wagen-Kassetten anzubringen. Außerdem muß ich schauen, wie das verdeckte Streckengleis nach Niedermarschacht hinter dem Betriebsgebäude angeordnet werden kann, da es wie gezeichnet wahrscheinlich zu nahe am hinteren Anlagenrand angeordnet wäre.

Link zur größeren Ansicht [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/mSK5I4pX

Fahrzeuge im Modell
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Die um das Jahr 1960 in Winsen beheimateten Triebwagen VT506, VT507, VT509, DT511, GDT520, GDT522 [EK-Buch, S.186] sind bis auf den DT511 aus vorhandenen H0-Modellen durch einfache Änderungen (Umbeschriftung) zu erhalten; der VT506 (Bemo), VT509 (Panier) sowie der GDT520 (WIEKRA) sind direkt als Modell erhältlich. Der Personenverkehr in Winsen kann daher ohne weiteres im Modell nachgestellt werden. Anders sieht es hingegen bei der Nachbildung des Güterverkehrs aus, da keine geeignete Diesellok für die Bespannung der Übergabe- und Nahgüterzüge erhältlich ist. Für die Durchgangsgüterzüge kann immerhin noch die DL200093 (WIEKRA) zum Einsatz kommen. Zwar habe ich auch die Konstruktion des Gehäuses der aus meiner Sicht interessanteren DL160074 und 75 (MaK G1600BB) für den 3D-Druck bereits begonnen, stehe dort aber noch am Anfang. Immerhin ließe sich hier das Fahrwerk einer V90 nahezu unverändert übernehmen.

So, dann hoffe ich, daß Ihr bis hier durchgehalten habt und bin auf Eure Rückmeldungen und Anregungen gespannt.

Gruß,
Stephan

#2 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von Lernkern 28.10.2016 12:22

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Moin Stephan.

Puh, das nenne ich mal einen ausgearbeiteten Plan!

Winsen war, deiner Beschreibung nach, ein ziemlich betriebsamer Bahnhof. Ich denke mal, das könnte eine ziemlich tolle Rangieranlage werden, so ein Art Shelf Switcher auf Deutsch;-) Nett finde ich, dass das Betriebsgebäude deine Gleisabgänge versteckt, aber das hast du ja auch schon angemerkt.

Hilfreich fände ich einen Gleisplan, in dem ich die Funktionen der Gleise erkennen kann. Leider komme ich da nichtmal soweit, dass ich in deinem Plan das Übergabegleis und das Streckengleis nach Niedermarschacht "auscmachen" könnte.

Deine Planung ist m.E. auf alle Fälle ungewöhnlich, das gefällt mir!-)

Viele Grüße

Jörg

#3 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von spatz 29.10.2016 10:31

Hallo Jörg,

vielen Dank für Deine Anmerkungen. Ich hatte gehofft, daß sich die Funktionen aus dem oben verlinkten rekonstruierten Lageplan erklären (https://www.hidrive.strato.com/lnk/fyqZocS9 [pdf]), zumal ich selbst auch eher vermuten muß. Die Gleisnummern entsprechen den Bezeichnungen in den Originalplänen:

Gleis 1 : Streckengleis von und nach Hützel (durchgehendes Hauptgleis)
Gleis 2 : Streckengleis von und nach Niedermarschacht (durchgehendes Hauptgleis)
Gleis 3 : Ehemaliges Umfahrgleis, nun vermutlich Aufstellgleis
Gleis 4 : Ehemaliges Lokbehandlungsgleis, nun vermutlich Abstellgleis
Gleis 4a: Zufahrtgleis zum Lokschuppen für Einstellplätze (Diesel-)Lokomotiven
Gleis 5 : Zufahrtgleis zum Lokschuppen für Einstellplätze Dieseltriebwagen
Gleis 6a: Zufahrtgleis zum Lokschuppen für Einstellplatz Verbrennungstriebwagen
Gleis 6b: Verbindungsgleis (mit Lademaß) zu den Übergabegleisen zur DB mit abzweigendem privaten Gleisanschluß
Gleis 7 : Ladegleis (Güterschuppen, Ladestraße); hinter zusätzlicher Gleisverbindung zum Gleis 1 auch Abstellgleis - ohne eigene Nummer - für kleinbahneigene Wagen bzw. später Ladestelle für Schrotthändler
Gleis 8 : Abstellgleis mit Ladewaage, eventuell auch Ladegleis(?)
Gleis 9 : Abstellgleis
Gleis 10 : Ladegleis mit privater Rampe und Güterschuppen, hinter Bahnübergang mit bahneigener Laderampe u.a. für Viehauktionshalle
Gleis 11 : Abstellgleise und Übergabe zur DB
Gleis 11a: Abstellgleise und Übergabe zur DB

Ich habe den verlinkten vergrößerten Anlagenplan (https://www.hidrive.strato.com/lnk/mSK5I4pX [pdf]) mal um die entsprechenden Angaben ergänzt.

Gruß
Stephan

#4 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von v85 31.10.2016 16:49

Hallo Stephan,

mir gefaellt der unkonventionelle Entwurf sehr gut. Einige Gedanken dazu:

1. Im Original ist Gleis 4 das Aufstellgleis fuer den Ng. Im Modellplan ist dieses Gleis zu kurz fuer diese Funktion. Eine Moeglichkeit waere Gleis 1 als Aufstellgleis zu nutzen und Gleis 3 als Hauptgleis. Gleis 2 wuerde ich liebe als Ladegleis mit mehreren Ladestellen deklarieren, weil man sonst zu wenig Betrieb hat.

2. Ob das Hauptgleis im gegenwaertigen Plan auch als Aufstellgleis dienen kann, wage ich zu bezweifeln, aber das haengt auch vom Verkehrsaufkommen ab. Ich nehme an, dass das linke Ende von Gleis 1 im Rangierbetrieb als Ausziehgleis benutzt wird, da ohnehin kein Pesonenzug aus H. auf Gleis 1 ankommen kann?

3. Die Umsetzmoeglichkeit zwischen W1 und der DKW muesste reichen, um zwei Personenwagen (oder einen Packwagen + einen Personenwagen) zu umfahren, so dass auch kurze Personenzuege von und nach N. als Triebwagenersatz in Epoche III moeglich waeren.

4. Schwieriger wird es mit einem GmP nach N. Ein VT mit zwei angehaengten Gueterwagen ginge noch (siehe Punkt 3), aber laengere GmP-Zuege koennen nur nach N. geschoben werden. Im Notfall koennte man vielleicht erst zwei Wagen und dann noch mal zwei Wagen umfahren. Bei laengeren Zuegen klappt das nicht. Das gleiche Problem besteht bei einem Ng. Was den Ng nach N. betrifft, wuerde es mich ueberraschen, wenn dieser Zug von der Lok geschoben worden waere. Eine Loesung habe ich nicht, ausser man beschraenkt sich auf Uebergabezuege, aber vielleicht hast Du Dir bereits Gedanken dazu gemacht.

5. Wenn man annimmt, dass das Uebergabegleis auf Gleis 8/9 ist (wo auch der Ng von H. einfaehrt), koennte man die zu uebergebenden Wagen nach H. in den Schattenbahnhof schieben und ebenso von dort abholen (mit der Lok jeweils am linken Ende des Zuges, so dass die Wagen in Winsen (Sued) ohne Probleme rangiert und sortiert werden koennen), aber das entspricht natuerlich nicht dem Originalplan.

6. Das Gleis 2 scheint mir etwas kurz fuer einen Ng (aber ausreichend fuer eine Uebergabe), auch wenn man das Gleis bis zum Bahnuebergang dazu nimmt.

7. Eine Schiebebuehne fuer den Schattenbahnhof auf dem dritten Segment rechts is problematisch (a) weil sie im Blickfeld liegt, ausser man schliesst die "Buehne" mit eine Kulisse ab, und (b) weil das Zufahrgleis hinten an der Wand liegt. Eine Zugkassette waere wohl die besserre Loesung (am besten auf einer festen schmalen Auflage an der Wand).

In jedem Fall hat der Entwurf viel Atmosphaere, der Gleisplan is erfrischend originell, und die Hintergrundinformationen sind sehr hilfreich. Wie ich finde, eine der besten Planungen im Forum.

Gruss

Lutz

#5 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von spatz 01.11.2016 19:46

Hallo Lutz,

vielen Dank für Deine Gedanken zum Plan. Ich habe mal mit einer neueren Version des Anlagenplanes auch einen möglichen Schattenbahnhof zur Verdeutlichung angefügt. Es ist nämlich durchaus geplant, nicht nur das Streckengleis nach Niedermarschacht nach rechts in den Schattenbereich zu führen, sondern auch die weiteren Gleise. Es sollen ja nach Möglichkeit die Rangier- und Zugbewegungen des Originals nachgestellt werden können - wenn auch mit verkürzten Zuglängen. Bei dieser neueren Version habe ich die Streckenführung hinter dem Betriebsgebäude geändert, so daß nun auch das Verbindungsgleis zu den Übergabegleisen zur DB in den Schattenbereich geführt werden kann. Deine Bedenken bezüglich der Schiebebühne habe ich auch, außerdem erscheinen mir Speicherkassetten flexibler. Der Schattenbereich weist eine stufenwiese Anordnung der Übergänge in die Speicherkassetten mit entsprechender Ausgestaltung im gerade noch sichtbaren Bereich auf. Die Tarnung des hintersten Gleises erfolgt durch gelagertes Material oder Ladeverkehr an der Ladestraße.


Link zur größeren Ansicht [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/ZqK5IbIU

Der Betrieb sollte auch mit den wenigen dargestellten Ladestellen abwechslungsreich genug sein. Z.B. gibt es für die Wagen aus dem Dg von Soltau/Celle über Hützel folgende (Rangier-)Ziele:

1. Ng nach Hützel,
2. Ng nach Niedermarschacht,
3. Üg nach Luhdorf
4. Üg zum Nettelberg
5. Üg zum Gleisanschluß "Rusch",
6. Üg zum Gleisanschluß "Rübelmann",
7. Üg nach Fahrenholz
8. Übergabe DB,
9. Ladestellen Winsen Süd (ca. 8 verschiedene)

Für die ersten 7 Ziele müssen bis zur Abfahrt der entsprechenden Züge Wagen(-gruppen) auf den - nicht zwangsläufig sichtbaren - Bahnhofsgleisen geparkt und mit Eintreffen weiterer Züge eventuell ergänzt werden. Sollte keine Vorsortierung beim Dg erfolgt sein, erhöht sich unter Umständen der Rangieraufwand noch einmal. Zwischendurch ist mitunter noch die Ankunft oder Abfahrt von (Personen-)Zügen sowie deren Bereitstellung abzuwarten bzw. zu berücksichtigen. Insgesamt, denke ich, wird eine Person beim Zerlegen ordentlich zu tun haben können.

Gruß
Stephan

#6 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von v85 02.11.2016 21:50

Hallo Stephan,

Die Verlaengerung nach rechts um ca. 30cm loest viele der Probleme, die ich ansprach, und erweitert die Betriebsmoeglichkeiten erheblich. Auch die Benutzung der Kassetten als Verlaengerung der sichtbaren Gleise bei Bedarf ist hilfreich. Man koennte so sogar die Lok des Ng umsetzen.

Was mir nicht gut gefaellt, ist die fehlende optische Trennung von Schattenbahnhof (Kassetten) und Buehne. Der Abschluss der Anlage nach rechts sieht ausserdem sehr unruhig aus, weil die Gleise unterschiedlich lang sind. Das wuerde ich auf alle Faelle aendern. Ich koennte mir auch vorstellen, dass man die Kassette an das hinterste Gleis in der Praxis nur schwer andocken kann.

Mein Vorschlag waere, den ausgestalteten Bereich um ca. 30cm auf das dritte Segnent zu verlaengern, aber, falls moeglich, dieses Extra-Segment durch eine (Himmels-)Kulisse nach rechts hin abzuschliessen, so dass man die Kassetten nicht sieht. Alle Gleise wuerden nach rechts durch die Kulisse gefuehrt. Natuerlich muesste man in der Kulisse Loecher fuer die Durchfahrt vorsehen. Optisch waere es gut, diese Durchlaesse durch eine filigrane Strassen- oder Fussgaengerbruecke zu tarnen (vielleicht nicht ganz im rechten Winkel zur Vorderkante, sondern eher im rechten Winkel zur Gleisachse), auch wenn es diese Bruecke beim Vorbild so nicht gab. Das muesste man ausprobieren. Man koennte ausserdem das vorderste Gleis an einem eingleisigen Tw-Schuppen mit Tankstelle enden lasssen (ggf mit beidseitigen Toren), so dass der Durchblick unter der Bruecke von der Vorderkante der Anlage aus erschwert wird. Wenn die Anlage in Augenhoehe betrachtet wird (ggf im Sitzen), geht es vielleicht auch ohne Kulisse.

In jedem Fall wuerde ich das hinterste Gleis nach rechts verlaengern, so dass alle Kassetten in etwa genauso lang sind und den restlichen Meter einnehmen. Das entspricht in etwa der maximalen Laenge des Gleises 2, von wo die Gueterzuege nach N. abgehen. Die Kassetten wuerden rechts hinter der Kulisse nach Bedarf angedockt.

Die Idee der Tarnung des hintersten Gleises ist gut. Man koennte auch die Kulisse am hinteren Anlagenrand im engen Bogen nach links verlaufen lassen und den Eingang hinter die Kulisse zusaetzllich mit Baeumen und Straeuchern tarnen (aehnlich wie in Rolf Knippers Heft).

Gruss

Lutz

#7 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von Lernkern 03.11.2016 00:51

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Guten Morgen.

Je öfter ich hier rein schaue, desto besser gefällt mir der Plan! Erstmal vielen Dank für die "Benennung" der Gleise.

Zitat von v85 im Beitrag #6
Was mir nicht gut gefaellt, ist die fehlende optische Trennung von Schattenbahnhof (Kassetten) und Buehne. Der Abschluss der Anlage nach rechts sieht ausserdem sehr unruhig aus, weil die Gleise unterschiedlich lang sind.


Das dachte ich auch als erstes. Eine Idee, die mir dazu kam, war ebenfalls eine Kulisse. Ins Blaue gedacht könnte man sie auch entlang des jetzigen Endes des sichtbaren Bereichs führen, so dass der Blick nach rechts schon durch die Kulisse erschwert wird. Ob das sinnvoll ist und gut aussieht - ich bin nicht sicher, denn man verdeckt ja dadurch auch einen Teil des gestalteten Bereichs.

Zitat von v85 im Beitrag #6
Ich koennte mir auch vorstellen, dass man die Kassette an das hinterste Gleis in der Praxis nur schwer andocken kann.


Das sollte bei 45cm Tiefe gehen, wenn man eine Führung für die Kassetten baut, vielleicht etwa so wie hier. Es kommt natürlich auf die Höhe der Anlage an, Lutz hat die Frage danach ja auch schon aufgeworfen:

Zitat von v85 im Beitrag #6
Wenn die Anlage in Augenhoehe betrachtet wird (ggf im Sitzen), geht es vielleicht auch ohne Kulisse.


Ich bin gespannt, was du zu den Vorschlägen von Lutz und mir sagst.

Viele Grüße

Jörg

#8 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von outatime 03.11.2016 16:57

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Hallo Stephan,

das wird eine sehr schöne kleine Rangieranlage. Ich finde es toll, dass es nicht das typische Thema für eine Rangieranlage ist, also eine Köf mit ein paar Güterwagen, sondern eben ein Ausschnitt von einem richtigen Bahnhof in dem auch mit größeren Wagen rangiert wird. Der Entwurf könnte fast schon aus dem Buch Minimax-Anlagen stammen, da sind auch solche sehr interessanten Konzepte drin. Ich werde auf jeden Fall die Planung hier weiter beobachten.

Viele Grüße,
Björn

#9 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von Brandenburger 05.11.2016 01:09

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Hallo Stephan,

herzlichen Glückwunsch zu Deinem ausgereiften Konzept (insbesondere für einen "Anfänger" hast Du Dir wirklich viele Gedanken gemacht ).
Du hast auch mit den originalen Unterlagen (Buch- und Bildfahrpläne) die allerbesten Voraussetzungen für einen vorbildnahen und interessanten Betrieb. Derartige Unterlagen hätte ich für meinen Bahnhof auch gern ... *seufz* . Ich selbst betreibe derzeit auch einen Bahnof nach einem konkreten Vorbild (leider - aus Gründen meiner "Hobbyhistorie" - ebenfalls nur mit einem "sinngemäßen" Gleisplan; mir scheint, Du bist da weit näher am Original) und arbeite noch an einer Streckenerweiterung. Aus meiner Erfahrung kann ich Dich nur bestärken, möglichst nah am Vorbild zu bleiben. Die Fragen nach der Nutzung der jeweiligen Gleise, wird sich vermutlich in großen Teilen bei den ersten Betriebserfahrungen (fast) von selbst - sozusagen zwangsläufig - ergeben. Diese Erfahrung habe ich bei meinem eigenen Bahnhof teilweise gemacht und noch viel mehr beim Betrieb auf der (viel größeren) Anlage eines Freundes, der auf (mehreren) Bahnhöfen mit Originalgleisplänen nach Originalfahrplänen Betrieb macht. Da haben wir auch manchmal überlegt, wo welcher Zug warum gefahren ist - und siehe da - beim Fahren hat sich so manches fast von selbst ergeben.

Auch Dein Ansatz nach vorbildnahen Güterzugbildungsvorschriften (vielleicht bekommst Du die echten ja auch noch) zu fahren passt sehr gut in dieses Konzept - solltest Du so machen.
Ich möchte Dich nicht gleich am Anfang überfordern (oder gar demotivieren), aber bei diesem guten Gesamtkonzept bietet es sich an, auch noch über die Nutzung von Frachtpapieren nachzudenken - zumindest in einem zweiten Schritt (häufig in Form von Wagenkarten und "Frachtzetteln" genutzt [siehe z.B. FREMO oder Westportterminal RR (das System gefällt mir persönlich besser; damit habe ich selbst mal gearbeitet)]) .

Übrigens zu Deiner Beruhigung:

Zitat
und ich zudem den Vorbildbetrieb nur als Laie kenne


Ich selbst und auch der Freund, von dem ich gerade sprach, sind beide auch Laien, die beruflich mit der Bahn nichts zu tun haben; haben uns aber durch viel Lesen, Fragen (bei Leuten, die sich damit auskennen) und Probieren zu "Betriebsbahnern" weitergebildet (und lernen immer noch dazu; je mehr man sich mit dem Vorbild und dessen Betrieb befasst, je mehr [Detail]Fragen tauchen auch auf ...).

Noch ein Wort zu den Kassetten: ich selbst nutze ebenfalls Kassetten (nach der von Lernkern in Beitrag #7 verlinkten Idee), in denen die Züge für ca. einen halben Betriebstag vorbereitet sind, und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht (trotz anfänglicher Skepsis meinerseits). Dazu habe ich noch kurze Kassetten für Lokomotiven, so dass ich diese unabhängig von den Zügen um-/einsetzen kann (die Loks fahren bei mir nach einem eigenen Umlaufplan).

Obwohl Du meiner Meinung nach eigentlich über die meisten Entwicklungsschritte und Fragen schon hinweg bist , kann ich Dir den Thread Betrieb nach Fahrplan auf Modellbahnanlagen und den Thread Georgenthal (Thür) in H0 auf 3.9 x 3.9 m (es genügt aber, die sehr gut gemachte Zusammenfassung im pdf zu lesen) empfehlen. Dort findest Du viele interessante Hinweise und Anregungen zum Betrieb nach Fahrplan etc. Mich haben diese Beiträge zumindest stark inspiriert.

Also: mach weiter so! Du bist - meiner Meinung nach - auf einem sehr guten Weg. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Detlef

#10 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von V160 05.11.2016 06:59

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Hallo Stephan,

Mensch Winsen :) Gleich in der Nachbarschaft zu meinem Bardowick, auch wenn der Bahnbetrieb komplett unterschiedlich war/ist. Habe auch einige OHE Fahrzeuge, als gebürtiger Lüneburger mit Mak Gewummer groß geworden ( Leider keine Modelle der 800D und 1200D bisher ).

Werde hier mal dran bleiben, jetzt geht aber erstmal in Bett, 1 Uhr Nachts hier.

Grüße aus Chicago

Leif

#11 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von spatz 05.11.2016 22:33

Hallo,

vielen Dank für Euren Zuspruch und die Anmerkungen. Die von Euch, Lutz und Jörg, angesprochene Kulisse hatte ich auch in Erwägung gezogen. Das Problem mit der verdorbenen Illusion beim Übergang in den Schattenbereich bliebe durch die Anzahl und Anordnung der Gleise aber auch bei einer Kulisse - man sieht dann nur statt der Kassetten die Löcher in der Kulisse. Ich habe daher eher das Schaukastenprinzip und auch die von Euch vorgeschlagene Anordnung auf Augenhöhe als Möglichkeit gesehen. Die Schienenoberkante liegt bei derzeitiger Planung bei etwa 150cm, um eine Aufstellung oberhalb der an der entsprechenden Wand aufgestellten Schränke zu ermöglichen. Dies wäre für einen Sichtschutz mittels szenischer Gestaltung sicherlich sehr gut, hemmt aber möglicherweise die Fingerarbeit beim Kuppeln der Fahrzeuge vor dem Betriebsgebäude und natürlich auch beim Verschieben der Kassetten. Die Stege rechts und links an der Front des Schaukastens dienten dann als primärer Sichtschutz und würden an der rechten Seite eben den Blick auf die Kassetten einschränken - je geringer der Abstand der Kassetten von der Vorderkante, desto geringer auch die noch auszugestaltende Gleislänge im Schattenbereich. Die gesamte Fragestellung zur optischen Trennung stellt sich für mich aber im Detail erst, wenn abzusehen ist, wie gut sich meine Fähigkeiten bei der Anlagengestaltung erweisen werden; um die Fertigkeiten, die Du, Björn, bei Deinem Bahnhof Nieder Ramstadt-Traisa gezeigt hast, beneide ich Dich zum Beispiel sehr. Ich habe Deine Vorschläge, Lutz, in eine neuere Version eingearbeitet. Durch die Verlängerung des ausgestalteten Bereichs am hinteren Gleis kann jetzt die Bude an der Gleiswaage angedeutet und damit ein Rangierziel im halb sichtbaren Bereich geschaffen werden. Das gleiche könnte man mit dem Lademaß am untersten Gleis machen, wenn man es gegenüber dem Vorbild von Weiche 17 (im Vorbildplan) nach vorne zur Weiche 8 holt.


Link zur größeren Ansicht [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/tiK5oxb9

Die wichtigere Frage für mich ist derzeit, ob mit der gewählten Variante überhaupt ein zuverlässiger Betrieb durchgeführt werden kann. Hier ist Dein Hinweis, Lutz, mit der Anordnung der hinteren Kassette wichtig. Ich hatte bei der Planung versucht, immer eine möglichst lange Kante zu haben, an der die Kassette auf den entsprechenden Gleisanschluß ausgerichtet werden kann; das ist, denke ich, hilfreich, wenn man häufig diese Kassetten wechseln muß - da werde ich mich aber noch genauer mit beschäftigen müssen. Die Länge der Kassetten ergab sich recht willkürlich aus einer Triebfahrzeuglänge (30cm-Kassetten) und der Länge einer Rangiereinheit von bis zu 3 vierachsigen (Kessel-)Wagen (60cm-Kassetten). Im Personenverkehr nach Niedermarschacht mit den einzelfahrenden zweiachsigen Triebwagen reicht tatsächlich eine 30cm-Kassette vollkommen aus; nach Hützel muß es dagegen mindestens eine 60cm-Kassette sein für eine Diesellok mit einer Personenzug- (2 bis 4 Zweiachser) oder Kurswagengarnitur (1 bis 2 "Silberlinge"). Im Güterverkehr habe ich derzeit eine Rangiereinheit mit maximal 3 vierachsigen (Kessel-)Wagen angesetzt - also je eine 60cm-Kassette. Zu meiner Zeit war es meist so, daß der Dg aus Hützel aus etwa 30 Tds plus die wenigen Wagen für das Chemiewerk Bock bestand. In Winsen wurde dann die Fuhre zum Nettelberg in drei Wagengruppen zu je etwa 10 Tds aufgeteilt. Diese Wagengruppen würde ich im Modell also mit 5-6 Tds und für den Ölverkehr - den ich nicht mehr selbst bewußt erlebt habe - mit den oben genannten 3 vierachsigen (Kessel-)Wagen nachstellen. Für den längsten Zug aus Hützel müssten demnach 3 bis 4 60cm-Kassetten plus 1 30cm-Kassette für das Triebfahrzeug vorbereitet und nacheinander an das Gleis 1 angedockt werden. Das wäre der Extremfall, denn mit etwas höherem Verkehrsaufkommen damals sollten die Zuglängen wegen der Kreuzungs- und Überholmöglichkeit etwas kürzer gewesen sein.

Detlef, Deinen Hinweis zur möglichst großen Vorbildnähe kann ich aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen. Meine vorhergehende Planung zu einem adaptierten Bahnhof Bleckede Süd scheiterte trotz der Möglichkeit von vorbildgetreuen Gleisentwicklungen und Zuglängen immer daran, daß ich bei den Änderungen, die ich für einen interessanteren Betrieb vornahm, immer mehr Zweifel an der Vorbildnähe des Gesamtkonzeptes bekam. Der von Dir verlinkte Beitrag zum Bahnhof Georgenthal hatte mich damals ermutigt, durchaus auch mit verkürzten Nutzlängen, dafür aber mit umso vorbildnäherem Betriebskonzept zu planen. Die anderen verlinkten Beiträge werde ich mir mal näher anschauen. Wie viele Kassetten mußt Du denn etwa für einen halben Betriebstag vorbereiten und wie lang sind diese? Setzt Du auch mehrere Kassetten für einen Zug ein? Ein Frachtsystem werde ich in der Tat auch einsetzen wollen, aber wie Du schon sagst, gehe ich das erst in einem späteren Schritt an. Eine generelle Aufstellung der Güterarten und -mengen versuche ich hingegen in der nächsten Zeit anzufertigen.

Leif, Deinen Bahnhof Bardowick kenne ich natürlich auch - ist nur ein Radbruch von Winsen entfernt ; hierdurch erfuhr ich erst von dem ursprünglichen Umfang der Gleisanlagen in dem Bahnhof, den ich nur als Überholstation zwischen Lärmschutzwänden kenne.

Beim Prüfen des Vorbildplanes fiel mir gerade noch auf, daß das Gleis 4 mit etwa 80m Nutzlänge - abzüglich einer Triebfahrzeuglänge, falls der Lokschuppen über die Weichen 15 und 19 (im Vorbildplan) noch erreichbar sein musste - recht kurz für ein Aufstellgleis ist. Möglicherweise war es doch eher ein Abstellgleis, auf welchem Wagen(-gruppen) - wie z.B. auch der Packwagen - nur zwischengeparkt wurden, um dann später in die entsprechenden Züge eingereiht zu werden. Ich habe es entsprechend in der oben aufgeführten Gleisübersicht angepaßt.

Gruß
Stephan

#12 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von Brandenburger 06.11.2016 00:24

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Zitat von spatz im Beitrag #11
Hallo,

Detlef, Deinen Hinweis zur möglichst großen Vorbildnähe kann ich aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen. ... Der von Dir verlinkte Beitrag zum Bahnhof Georgenthal hatte mich damals ermutigt, durchaus auch mit verkürzten Nutzlängen, dafür aber mit umso vorbildnäherem Betriebskonzept zu planen.

Freut mich, dass ich bei Dir anscheinend offene Türen eingerannt habe.

Zitat von spatz im Beitrag #11
Wie viele Kassetten mußt Du denn etwa für einen halben Betriebstag vorbereiten und wie lang sind diese? Setzt Du auch mehrere Kassetten für einen Zug ein?

Ich hoffe, meine Antwort erschreckt/entmutigt Dich nicht: eine genau Zahl habe ich im Moment nicht im Kopf, aber es sind ca. 25 Kassetten für Züge und ca. 20 für Lokomotiven. Die leergefahrenen Kassetten werden dann wieder für abgehende Züge aus dem Bahnhof genutzt. Wir reden hier allerdings auch von einer ganz anderen Größenordnung Bahnhof: mein Vorbild (oder besser meine Inspiration) ist der Bahnhof Brandenburg-Altstadt (wie gesagt - leider habe ich nicht[mal annähernd] den echten Gleisplpan); ich fahre nach dem Fahrplan vom Herbst 1968. Nach dem ersten Betriebstag (der sich über drei intensive Echtzeitmonate erstreckt hat) habe ich mir mal den Spaß gemacht, zu zählen, was eigentlich so alles gefahren ist: es wurden insgesamt 128 Zug- und Rangierfahrtenfahrten vom und zum Bf durchgeführt (N - 22, Dg - 10, Gag - 7, Rangierfahrten zum Stahl- und Walzwerk Brandenburg - 24, Üa - 4, Lg - 7, Lp - 2, Gmp 2, P - 29, T - 10, Lz - 11); dazu 4x Bedienung der Güteranlagen und diverse Lokfahrten innerhalb des Bahnhofes (Loks vom/zum Zug, Lokwechsel, Umsetzen von Loks). Es wurden 18 Züge gebildet und 20 Züge aufgelöst (die Anzahl der Rangierfahrten dafür habe ich leider nicht gezählt ). Das sollte zu meinem Bahnhof erst einmal genügen - hier geht es ja schließlich um Deine Planungen . Falls es noch weitere Fragen gibt - natürlich trotzdem gern stellen.
Zur Frage der Kassettenlänge: je nach Zuggattung/Verwendungszweck unterschiedlich: Loks - 30 cm, N - 150 cm, Dg - 210 cm, Personenzüge - ca. 1 m und noch ein paar kürzere für die Üa zum Anschluss Bezirkskrankenhaus und die Tw.

Gelagert werden die Kassetten in einem selbst gebauten Schubladensystem unter der Anlage.
Hier noch zwei Bilder, wie ich die Kassetten ans Gleis angeschlossen habe:

Bisher funktioniert die Konstruktion sehr zuverlässig. Die zwei Kontaktfedern mit den roten Leitungen dienen dazu, eine Schiene des zuführenden Gleises mit Spannung zu versorgen, wenn eine Kassette angeschlossen ist, damit nicht versehentlich ein Zug "ins Leere" fährt".

Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Detlef

#13 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von Lernkern 06.11.2016 02:09

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Tag Stephan.

Zitat von spatz im Beitrag #11
Die wichtigere Frage für mich ist derzeit, ob mit der gewählten Variante überhaupt ein zuverlässiger Betrieb durchgeführt werden kann.


Zuverlässig und vorbildorientiert?

Da kam mir schon neulich eine Idee: du könntest den Gleisplan mal mit Gleismaterial auslegen und das ganze als Test ein wenig durchspielen. Natürlich nur, wenn du Gleismaterial hast...

Gruß

Jörg

#14 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von v85 06.11.2016 15:38

Hallo Stephan,

ich verstehe jetzt, was Du mit dem Schaukasten meinst. Der linke Rand des Schaukastens ist an der linken vorderen Ecke des ersten Modules von links. Der rechte Rand ist am rechten Ende des zweiten Modules. Rechts davon ist ein Sichtschutz, der den direkten Blick auf die Gleisanlagen von vorne verhindert. Der Sichtschutz endet etwa da, wo die vorderste Kassette andockt. Rechts davon ist der Kasten offen, so dass man die Kassetten bedienen kann und in den Kasten hineinreichen kann. Der Schaukasten schliesst nach hinten und zur linken Seite mit einer Kulisse ab.

Wenn man vor dem offenen Schaukasten steht, kann man nach rechts nur etwa bis zur Bude (Waage) sehen, wenn man sich nicht gerade verrenkt. Die Illusion, dass der Bahnhof weiter geht, ist perfekt, auch ohne Seitenkulisse. Mir gefaellt die Idee. Ich moechte aber eine Variation der Schaukastenidee vorschlagen, die mit einer Kassette auskommt. Siehe meine Skizze hier:

http://www-personal.umich.edu/~lkilian/winsen_lutz.pdf

Mein Vorschlag ist, dass nur das DB-Uebergabegleis vorne wirklich eine Kassette benoetigt, und diese sollte ca. 100 cm lang sein, denn die Uebergaben koennen laenger sein. Gleise 7, 1, 3 und 4 werden nach rechts verlaengert (leicht verschwenkt im nicht einsehbaren Bereichm, so dass sie im rechten Winkel enden) und enden in einer 30-cm Schiebebuehne. Ebenso wird Gleis 2 hinten nach rechts verlaengert und endet in der Schiebebuehne. Ich habe ein weiteres Gleis (x) eingefuegt, das nach links als verdecktes Abstellgleis fuer einen Tw gedacht ist. Wenn man dieses Gleis als Stumpfgleis nach links verlanegert, kann man am Ende auch Gueterwaggons abstellen, die den Ng nach N. tarnen, aber das ist optional (gestrichelte Linie). Manchmal sind weniger Gleise mehr, und mir gefaellt die "entspannte" Zone im sichtbaren Ladebereich.

Die Schiebebuehne selbst besteht nur aus einem verschiebbaren Brett (mit Fuehrung). Genauer gesagt, habe ich zwei Buehnen vorgesehen: Eine eingleisige Buehne nur fuer die hintersten beiden Gleise und eine dreigleisige Buehne zur Bedienung der Gleise 7, 1, 3 und 4, aber die hintere Buehne sollte bei Bedarf Gleis 7 erreichen koennen und die vordere Buehne bei Bedarf Gleis x.

Diese Loesung ist einfacher zu bedienen als Kassetten, die Gleislaenge ist mehr als ausreichend zum Rangieren, und der gestaltete Bereich kann noch weiter nach rechts fortgefuehrt werden. Ausserdem ergeben sich interessante betriebliche Moeglichkeiten. Der Betrieb koennte so verlaufen:

1. Auf Gleis 2 im Schattenbahnhof steht zu Betriebsbeginn der Ng von N. (Lok voraus, d.h. vom Betrachter links). Dafuer kann man die Laenge der Buehne mit einbeziehen. Auf dem Tw-Abstellgleis x parkt der Tw. Morgens faehrt der Ng nach Winsen ein und zerlegt den Ng. Dann faehrt der Tw aus N. ueber die Schiebebuehne auf Gleis 2 und von dort nach Winsen ein (ggf Umsteigen nach H.) und spaeter zurueck (von Gleis 2 ueber die Buehne auf Gleis x), ggf mehrmals. Zum Schluss faehrt der neu zusammengestellte Ng (Lok voraus) von Winsen ueber Gleis 2 nach N und endet dort im unsichtbaren Bereich. (Vor der naechsten Betriebssitzung muessen dann die Zuege wieder neu prepariert werden, aber das ist bei Kassetten auch nicht anders.)

2. Am Morgen kommt der P-Zug von H. aus Gleis 1 an, wo er vorher unsichtbar im rechten Bereich abgestellt war. Umsteigen nach N. bei Bedarf. Der angekommene Zug wird aus dem Bahnsteiggleis 1 zurueckgedrueckt (etwa auf Gleis 4). Die Lok setzt ueber Gleis 1 und die Schiebebuehne um und drueckt den P-Zug dann zurueck ins Bahnsteiggleis 1. Abfahrt nach H., wo der P-Zug ubnsichtbar abgestellt wird

3. Man koennte ueber die Buehne auch die Bedienung eines Anschlusses ueber Gleis 2 simulieren. Der Wagenaustausch wuerde ueber die Buehne erfolgen. Die Buehne reicht sicher fuer eine kurze Rangierlok und zwei Wagen. Gueterwagen werden rechts auf dem Gleis 7 ausser Sicht abgestellt oder von dort abgeholt. Der Tw kann solange auf Gleis x stehen, damit Gleis 2 frei bleibt.

4. Die Kassette am DB-Gleis vorne dient dem Austausch von Wagen mit der weiten Welt. Da diese Kassette am Vorderrand angedockt wird, ist die Bedienung einfach. Man muss sich nicht verrenken um an die hinteren Gleise zu kommen.

5. Die Wagen des Dg aus H. koennten auf Gleis 1 oder 2 ankommen. Die erhoehte Gleislaenge bedeutet, dass man Platz fuer ca. 9 Vierachser hat. Diese koennten bei Betriebsbeginn "schon angekommen sein". Das ist einfacher als mit mehreren Kassetten zu hantieren. Kesselwagen, die auf dem Weg nach N. auf der Buehne hinten ankommen, muessten paarweise per Hand abgekuppelt werden (die geringe Tiefe sollte das ermoeglichen) und koennten ueber die Buehne wieder auf Gleis 7, 1 oder 2 im unsichtbaren Bereich ankommen (ggf ueber Gleis 7). Die Lok kann als Leerfahrt ueber Gleis 2 nach Winsen zurueckkehren (ggf koennte man die Lok voruebergehend auf Gleis x neben dem Tw abstellen).

6. Mit einem Gmp nach N. koennte man sinngemaess aehnlich verfahren. Ein weiteres Abstellgleis (xx) rechts (unter Gleis x) wuerde die Betriebsmoeglichkeiten erweitern, aber ich weiss nicht, ob der Platz dafuer reicht. Falls noch Platz nach rechts da waere, koennte man auch rechts von der Schiebebuehne Stumpfgleise (ca. 15 oder 25 cm) anfuegen, um Loks oder jeweils ein oder zwei 2-achsige Gueterwagen dort abzustellen, aber ich gehe davon aus, dass dies nicht der Fall ist. Diese Abstellgleise koennten dann Anschluesse simulieren.

Gruss

Lutz

#15 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von spatz 12.11.2016 11:19

Hallo,

vielen Dank für die Rückmeldung.

Detlef, Dein Anlagenkonzept klingt sehr interessant; besonders Dg und Gag klingen in diesem Zusammenhang für jemanden, der lange Züge mag, sehr verlockend. Nein, Deine Zahlen schrecken mich nicht ab; Da Du jeweils eine Kassette je Zug einsetzt und einen halben Betriebstag vorbereiten kannst, entspannt sich die Aktivität hinter den Kulissen während der Betriebssitzung sicher sehr. Bei der geplanten Anlage müsste ich jedoch mehrere Kassetten pro Zug einsetzen, die zudem auch sehr häufig gerade während der Betriebssitzung von der Anlage herauf und herunter gehoben werden müssen. Es müssten daher, denke ich, besondere Vorrichtungen für einen festen Halt der Wagen vorgesehen werden. Daher rührte auch meine Frage, Jörg, zu der Zuverlässigkeit - ich bin mir im übrigen nicht sicher, ob Du mich bei der Frage "Zuverlässig und vorbildorientiert?" auf ein Paradoxon hinweisen wolltest . Gleismaterial habe ich zurzeit nicht für Probefahrten zur Verfügung.

Lutz, vielen Dank für Deinen Verbesserungsvorschlag. Den Einsatz einer Schiebebühne halte ich aus oben genannten Gründen für meine Zwecke ebenfalls für zuverlässiger als Speicherkassetten, die allerdings aus meiner Sicht den Vorteil der größere Nutzlängen auf kleinem Raum bieten. Daß Du mit Deinem Vorschlag die Vorteile beider Systeme nutzt, finde ich besonders gut; die Idee, zwei Schiebebühnen zu nutzen, schafft außerdem zusätzlich Nutzlänge ohne bedeutende Einschränkung bei der Zugbildung. Ich habe mal Deinen Vorschlag mit in eine neue Variante des Anlagenplanes aufgenommen. Da ich mittlerweile gelesen habe, man solle statt 5 cm lieber 6cm pro Achse annehmen, habe ich die Schiebebühnen und die Abstellbereiche mit 36cm geplant, der Speicherkassette gönne ich zwei Achsen mehr. Die Schiebebühnen habe ich gegenüber Deinem Vorschlag nach links geschoben; so habe ich rechts davon - wie von Dir unter Punkt 6 angedacht - kurze Abstellgleise, auf denen auch Triebfahrzeuge geparkt werden können, ohne die Zugbildung im Schattenbereich zu behindern. Insgesamt habe ich bei dieser Variante 480cm Nutzlänge im Schattenbereich - wenn die untere Schiebebühne mit drei oder vier Gleisen ausgeführt wird, sogar noch bis zu 72cm mehr -, hinzu kommt die Gleislänge der in den Schattenbereich fortgeführten Gleise 1 bis 4. Gleis 7 würde ich wahrscheinlich nur für die tatsächlich an der Ladestraße oder dem Güterschuppen bereitgestellten Wagen nutzen, den Bereich direkt an der Schiebebühne eventuell noch für Wagen des Schrotthändlers, die im Original über die Weichen 18 und 20 zugestellt wurden. Für die (Güter-)Züge von und nach Hützel ist Gleis 1 Übernahmegleis vom, Gleis 3 Übergabegleis in den Schattenbereich; für die Strecke nach Niedermarschacht erfüllt Gleis 2 beide Funktionen. Da die Güterzüge aus Hützel beim Vorbild vor dem Betriebsgebäude hielten - also nicht bis zum Bahnsteig fuhren -, kann deren Einfahrt auf der Anlage bequem mit einem ersten Zugteil von 72cm (Schiebebühne + Gleis 3.4) in der entsprechenden Fahrplanlage nachgestellt werden; unmittelbar nach dem Halt vor dem Betriebsgebäude wird der Zugteil nach hinten aus dem Schattenbereich zum vollständigen Zug verlängert, bevor die Rangierarbeiten beginnen. Umgekehrt verschwindet bei den ausfahrenden Zügen nur der hinterste Zugteil zur entsprechenden Abfahrzeit aus Gleis 3; die Wagen des vorderen Zugteils werden direkt mit den Rangierfahrten über Gleis 3 in den Schattenbereich überführt und stehen unmittelbar für die Bildung neuer Züge bereit.


Link zur größeren Ansicht [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/OIqZodKt

Die Güterzugbildungsvorschriften entnehme ich dem bereits oben verlinkten Buchfahrplan von 1964 ( http://www.kdtroeger.de/ohefb3.htm ). Demnach wurden Ng und Üg nach der Reihenfolge der Unterwegsbahnhöfe (vom vorderen Zugteil beginnend) mit dem Stückgutwagen vorne gebildet. Die Dg in Süd-Nord-Richtung sind dagegen ungeordnet (Winsen , Ort und Übergang) während die Dg nach Süden wieder die Unterwegsbahnhöfe und die weiteren Wagenziele ab der Übergabe an die DB in Celle berücksichtigen. Interessant ist da z.B. der Dg 2712 W vom Nettelberg nach Celle:

1. Hambostel
2. Soltau (Han) Süd; Ort und Übergang, zur Auslastung
3. Seelze Westberg
4. Seelze Ostberg

oder der Dg 7484 S/nS ebenfalls vom Nettelberg nach Celle:

1. Soltau (Han) Süd; Ort und Übergang
2. Seelze Ostberg
3. Seelze Westberg
4. Misburg einschl. Lehrte
5. Celle

Hier müssen also die Fahrziele der jeweiligen Wagen jenseits von Hützel ebenfalls bekannt sein. Die Beibehaltung der Kassette an der Übergabe zur DB bietet hier außerdem die Möglichkeit, "Joker"-Frachten einzusetzen: Fehlen z.B. im Schattenbereich entsprechende Güterwagen für die Bildung eines Zuges gemäß Frachtauftrag, werden diese Wagen als Übergangsfracht von der DB den Dg nach Hützel beigestellt und so dem Schattenbereich zugeführt. In Gegenrichtung gelangen mit den Dg aus Hützel überzählige Wagen aus dem Schattenbereich als Übergangsfracht zur Speicherkassette.

Ich hoffe, eine Übersicht über die geplanten/möglichen Frachtströme auf den Winsener Strecken für diese Anlage zusammenstellen zu können. Es lohnt sich also dranzubleiben .

Gruß,
Stephan

#16 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von whitekad 12.11.2016 13:35

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Moin Stephan! Na, da bin ich, als OHE Modellbauer aber mal extrem gespannt, was daraus wird! :-)

#17 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von Brandenburger 12.11.2016 23:43

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Hallo Stephan,

Zitat von spatz im Beitrag #15
Es müssten daher, denke ich, besondere Vorrichtungen für einen festen Halt der Wagen vorgesehen werden.

Ich habe dafür am Ende der Kassetten jeweils eine (nicht ganz durchgehende) Bohrung gesetzt, in die ein Holzdübel eingesteckt wird. So kann der Zug nicht herausrollen. Halbwegs gerade muss man die Kassette natürlich trotzdem halten; mir ist aber noch kein Zug herausgefallen.

Hier als Beispiel eine Lokkassette (30 cm); links die leere Bohrung, rechts mit "Bremse":


Viele Grüße
Detlef

#18 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von v85 13.11.2016 19:24

Hallo Stephan,

ich finde den letzten Plan gut und habe keine weiteren Verbesserungsvorschlaege. Es ist schon erstaunlich, wieviel Betrieb auf so wenig Platz moeglich ist. Gut sind auch die zusaetzlichen Stumpfgleise rechts von der Buehne.

Eine Kleinigkeit: Es waere betrieblich besser, die hintere Buehne eingleisig zu machen und die vordere Buehne dreigleisig. Ich wuerde die Rangiervorgaenge auf dem Papier durchspielen, bevor man sich festlegt.

Das wird eine schoene Anlage. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Gruss

Lutz

#19 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von Frodo 15.11.2016 15:42

Moin Stephan ,
ich mag kleine Rangieranlagen , toller Plan ,bin schon gespannt wie es weiter geht !

#20 RE: Kleinbahnhof Winsen(Luhe) Süd als Rangieranlage in H0 von spatz 20.11.2016 11:34

Hallo,

vielen Dank für die Rückmeldungen. Detlef, das ist natürlich eine einfache, aber offensichtlich ausreichende Vorrichtung. Ich bin dennoch froh, daß ich nach dem Vorschlag von Lutz mit nur einer Wagenkassette auskomme und den intensiven Zugbildungsbetrieb über die Schiebebühnen abwickeln kann. Lutz, ich denke, die vordere Schiebebühne könnte in der Tat drei- oder sogar viergleisig, die hintere Schiebebühne jedoch auch zweigleisig sein. Aber da muß ich mich wohl zuerst mit den zulässigen bzw. zu erwartenden Zuglängen befassen. Deiner Empfehlung nach ein paar gedanklichen Zugbewegungen folgend, habe ich aus den Fahrplandaten einen Gleisbelegungsplan für Winsen Süd erstellt. Hierdurch wollte ich noch abschätzen, ob ich mich durch die Reduzierung des hinteren Bahnhofsteils (Gleis 2,8,9 und Gla. Sievers) auf das Gleis 2 betrieblich zu sehr einschränke, also evtl. noch ein zweites Gleis am hinteren Anlagenrand dargestellt werden müsste. Der Plan basiert auf der Annahme, daß Züge von oder nach den Gleisen 1,2,3 und 9 ein- und ausfahren können. Bei Ausfahrt aus den Gleisen 3 und 9 würden diese als Rangierfahrten beginnen und mit Überfahrt der Weichen 3 (bei Gleis 9 in Gleis 2) bzw. 21 (bei Gleis 3 in Gleis 1) in eine Zugfahrt übergehen - bei Einfahrt in diese Gleise dann entsprechend Übergang von Zug- in Rangierfahrt.

Link zum Dokument [pdf]: https://www.hidrive.strato.com/lnk/yvqZI1rp

Im folgenden Bild ist ein Ausschnitt daraus für den intensiven Betrieb gegen 12 Uhr werktags gezeigt (Spalten von links nach rechts: Gleise 1,2,3,9):



Die in Gleis 3 zusammengestellte Üb1712 nach Luhdorf*) verläßt den Bahnhof um 11:18 Uhr. Um 11:42 Uhr fährt der Ng3707 aus Hützel in Gleis 1 ein. Die Übergabe aus Luhdorf, welche dort die Rangierarbeiten für die Kreuzung mit Ng 3707 kurz unterbrechen musste, kehrt um 12:10 Uhr als Üb1713 nach Winsen zurück. Sie fährt in das mit Pt744 am Bahnsteig besetzte Gleis 1 ein und drückt sofort nach Gleis 3 zurück, um dem Pt744 die Ausfahrt um 12:14 Uhr nach Hützel zu ermöglichen. Zeitgleich mit der Übergabe erreicht auch der Dg2712 vom Nettelberg den Bahnhof Winsen Süd auf Gleis 2 und rückt nach Ausfahrt des Pt744 auf Gleis 1 an das Betriebsgebäude vor, damit die in Gleis 9 wartende Üb1813 um 12:20 Uhr nach Niedermarschacht über Gleis 2 ausfahren kann. Nach deren Ausfahrt kann die Zuglok des Dg2712 über Gleis 9 ans andere Zugende umsetzen und um 12:58 Uhr über Hützel nach Celle abfahren. Um 13:30 Uhr fährt die Üb1814 vom Nettelberg in das mit Pt865 am Bahnsteig besetzte Gleis 2 ein, welcher die Ankunft des Pt745 aus Hützel um 13:29 Uhr auf Gleis 1 für den Reisendenübergang noch abwartet, bevor er um 13:32 Uhr nach Niedermarschacht ausfährt. Der Triebwagen aus Hützel fährt anschließend um 13:35 Uhr als Pt764 zurück.

Insgesamt wird es in der Tat recht eng auf dem hinteren Bahnhofsteil; ich denke jedoch, daß sich das durch entsprechende Zuglängen und Steuerung der Frachtaufträge etwas entzerren läßt. Hier wäre ich als Einzelspieler an der Anlage sicher ohnehin überfordert, so daß ich in diesem Fall wahrscheinlich einen Betriebstag aussuchen würde, an welchem die nach Bedarf verkehrenden Übergaben nicht erforderlich sind.

Nun steht aber auch der mitunter schwerste Teil an: der Kapitalantrag auf Basis der Kostenschätzung .

Gruß
Stephan


*)Der Bahnhof Luhdorf liegt in km 3,6 der Strecke von Winsen nach Hützel. Eingezwängt zwischen zwei Bahnübergängen bestand er aus einem 60m langen Bahnsteig, einem nur 61m langen, beidseitig angeschlossenem Ladegleis und einem Privatanschluß zu einer Kartoffellagerhalle hinter dem blinklichtgesicherten Bahnübergang an der Radbrucher Straße. Als Stückgutschuppen diente ein ausgedienter Güterwagenkasten gegenüber vom Bahnsteig. Die Bedienung Luhdorfs erfolgte laut Fahrplan von 1962 per Übergaben bei Bedarf bis zu dreimal täglich ab Winsen, die hier das Rangiergeschäft immer wieder für Überholungen und Kreuzungen unterbrechen mussten. 400m weiter nördlich befand sich zumindest in der Anfangszeit der Bahn eine Kiesgrube, die wahrscheinlich auch geschoben von Luhdorf aus bedient wurde. 1920 war für etwa 4 Monate auch ein etwa 300m Ladegleis mit Ladewaage und Laderampe für den Umschlag - vermutlich von Rasenerz - aus Feldbahnfahrzeugen eingerichtet. Insgesamt ebenfalls ein für die Modellumsetzung interessanter Bahnhof (s.a. http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,3550482, 14tes Bild von oben).

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