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#21 RE: Anzahl und Platzierung von Wasserkränen von Spotti 25.04.2020 13:14

Zitat von Kaputnik im Beitrag #20
Hallo,
nun habe ich noch zwei Fragen zum Thema Wasserkran.
Wozu dient ein Rohrvorwärmer (auf dem Bild links)?
Wo sollte man den Rohrvorwärmer aufstellen?


Hallo Hermann,
um ein Einfrieren im Winter zu verhindern.
Derartige Konstrukte kenne ich nicht bei der DR wurden Kohlekörbe (https://www.modellbundesbahn-shop.de/ima...218010005_b.jpg) verwendet.

Gruß
Dietmar

#22 RE: Anzahl und Platzierung von Wasserkränen von DKEV 30.05.2020 00:40

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Moin Kollegen,

um Wasserkräne plazieren zu können, muß man Wasserbehälter haben die erhöht stehen, z.B. in einem Wasserturm oder Stausee.

Das wird schwierig bei Wasserstationen wo Speisewasser aus Wasserwagen oder Hilfstendern abgepumpt werden muß.

Es gab auch Bahnstationen, wo es keinen Wasserturm gab, dafür aber ein leistungsfähiges Pumpwerk oder Saugstellen und Brunnenanlagen, wo man mit Hilfe der Injektorpumpe die Wasserentnahme tätigen konnte.

Was nutzt einem der beste Wasserturm, wenn die Speisewasserversorgung der Nachfüllung ein Problem darstellt?

Auch solche Gesichtspunkte müssen bei der Planung von Wasserstationen berücksichtigt werden.

Die Wasserstandanzeiger an den Wassertürmen hatten durchaus ihre Berechtigung, bei niedrigem Wasserstand könnte es ja vorkommen, nicht den ganzen Wasservorrat ergänzen zu können, so muß man denn abwägen ob eine Teilbefüllung ausreicht um zur nächsten Bahnstazmtion mit Wassernahmemöglichkeit gelangen zu können.

In Bad Salzschlirf (Oberhessen), Bahnstrecke Fulda – Gießen, gab es einen etwas größeren Wasserbehälter, der durch eine natürliche Bergquelle gespeist wurde, im Sommer wenn die Quelle wenig Wasser führte, war auch der Füllstand des Wasserturms, durch die häufige Wasserentnahme, nicht immer ausreichend.
Tiefbrunnen hatten keinen Sinn, do sich dort nur Grundwasser mit hohem Salzgehalt befand.
Lokpersonale waren angewiesen in Lauterbach schon zu überprüfen, ob deren Wasserstand ausreichend wäre ohne weiteren Wasserhalt nach Fulda zu gelangen.

Einige andere Orte mit Namen, die auf Salzabbau schließen lassen, hatten ähnliche Probleme.

Die Wasserversorgung bei der Bahn ist ein sehr spannendes Thema.

Schönen Gruß,

Ingo

#23 RE: Anzahl und Platzierung von Wasserkränen von Zwei-Takt 02.06.2020 00:22

Hallo,

Zitat von DKEV im Beitrag #22
Die Wasserversorgung bei der Bahn ist ein sehr spannendes Thema.


jepp, und die brauchte ziemlich große Mengen...

Zum Thema Wasserversorgung der Bahn gibt's einen sehr schönen und interessanten, historischen Film auf Youtube.

Die Youtube-Filme aus England kannte ich so auch noch nicht. Krass, mit der Wasseraufnahme aus Gräben im Fahren...

Viele Grüße
Andreas

#24 RE: Anzahl und Platzierung von Wasserkränen von DKEV 21.06.2020 01:47

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Moin Kollegen,

bei den Eisenbahnen wurden von den Ingenieuren, vor dem Bau irgendwelcher Eisenbahnstrecken, Erkundigungen eingezogen, was für Lokomotiven verfügbar sind und was für Verbrauswerte diese hatten in Bezug auf die Brennstoffart und des Wasserverbrauchs, dann wurden mit Hilfe dieser Daten die Reichweite ermittelt.
An Hand dieser Vorplanungen ermittelten Vermessungsingenieure eine mögliche Streckenführung und evaluierten vor Ort die bestmögliche Gleisführung, damals in Epoche I vor 1870 möglichst gerade aus ohne nennenswerte Kurven, sofern möglich und möglichst eben.
Kunstbauten wie Taleinschnitte, also Bergabtragungen, Tunnel oder Brücken sollten auch möglichst vermieden werden.

Alle Faktoren der besonderen Kraftanstrengung der Lokomotiven wurden versucht im Vorfeld zu ermitteln, um dann die Betriebsstoffreichweite dementsprechend anzupassen, um ggfs. Wasser- und Brennstoffstationen zu planen.

Bei Speisewasser kommt es zu dem darauf an, wie ergiebig Brunnenanlagen, Flüsse oder Seen sind um Speisewasser bereitstellen zu können.
Auch die Wasserqualität spielt eine entscheidene Rolle.
Salzhaltiges Wasser läßt Eisen und Stahl schneller korrodieren (rosten), extrem kalkhaltiges Wasser beeinträchtigt die Erhitzung des Wassers zur Dampferzeugung und Kesselstein erhöht zu dem noch das Betriebsgewicht und steigert den Brennstoffverbrauch.
Ist kein "gutes" Wasser verfügbar, müssen Entscheidungen getroffen werden dieses für die geplante Wasserstation heranzuschaffen.
(In Deutsch Süd – West Afrika, dem heutigen Namibia, machte nicht nur eine bis zu 150 Km, parallel zur Küste verlaufende Wüste große Probleme, sondern auch unbrauchbares Brunnenwasser an der Küste und im Landesinneren, zum Einen eine Meerwasserentsalzung notwendig und zum Anderen eine Wasserbahn zu ergiebigen Quellen, erforderlich gebaut zu werden).

Alles unnötige Kosten, die man gerne vermeiden möchte.

Für Wasserstationen wurden somit Durchschnittswerte ermittelt, daß diese alle 20 Km bis 30 Km errichtet werden müßten, im Gebirge in kürzeren Abständen zueinander.

In vielen Orten wurden auch mehrere Wasserstationen errichtet, wozu auch unterschiedliche Wasserbehälter gehören, nicht selten waren auch mehrere Wassertürme in Orten anzutreffen, bedingt durch den stetig ansteigenden Bedarf, im Laufe der Zeit.

Wasserkräne sollten zwischen zwei Gleisen am Bahnsteigende aufgestellt werden aber noch vor Schlackegruben zum Entleeren des Aschebehälters oder der Schlackepfanne unterhalb des Rostes. So brauchten Loks nicht unbedingt ins BW fahren, um diese Arbeiten zu erledigen.

Häufig begnügte man sich aber mit Wasserkranen zu beiden Seiten von mindestens einem Gleis je Richtung in kleineren Stationen.

Gelenkwasserkrane wurden aber nicht überall aufgestellt und die Lokführer mußten lange üben, ihre Lok so anzuhalten, daß der Wassereinlauf des Tenders im Schwenkbereich des Wasserkranes zum Halten kommt.

Hatte man sich verbremst, konnte es peinlich werden, zu früh gebremst, man konnte abkuppeln und vorziehen. Zu spät gebremst, dann war das Abkoppeln das geringste Problem, umsetzen zu müssen an einen freien Wasserkran gab Ärger bei entstehenden Verspätungen und den Spott der Kollegen.

Schönen Gruß

Ingo

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