#1 RE: Ästhetik des Gleisplans... von Kolfinn 16.03.2009 11:15

Guten Tag allerseits,

ich würde mal gern die Diskussion anstoßen, welche sich in Richtung der Ästhetik eines Gleisplans entwickeln soll. D.h., welche Maßstäbe würdet ihr setzen, um einen Gleisplan ansich ästhetisch wirken zu lassen. Abzuziehen sei dabei der Eindruck der Landschaftsgestaltung, Häuser, Objekte und Szenerie. Ebenso außer Acht zu lassen bei der Betrachtung sei die praktische Funktionalität des Gleisplans, inklusive der realitätsnahen Weichenfolge, Signale etc.. Was bleibt also als Merkmale übrig, die ein Gleisbild ästhetisch, also dem Eindruck nach "schön", "ansprechend", "harmonisch" wirken lassen? Welche Kriterien würde bei euch für einen harmonischen Gleisplan sprechen?

Sinn des Ansatzes ist die Auseinandersetzung meinerseits mit der Fragestellung, ob und in welchem Maße es ausreicht, die Gleislage möglichst nicht parallel zur Anlagenkante zu setzen, bzw. ob ein Gleisplan auch ästhetisch wirken kann, wenn er eben eine relativ hohe Parallelität zur Kante aufweist. Kann dieses Merkmal denn das einzige sein, was einen Plan ästhetisch wirken lässt?

Ich hoffe, mein Anliegen ist etwas verständlich ausgedrückt Freue mich auf rege Meinungsbeteiligung.

Beste Grüße,
Robert.

#2 RE: Ästhetik des Gleisplans... von cauchy 16.03.2009 11:55

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Also ... erstmal denke ich, daß auch beim Vorbild nicht jeder Gleisplan "schön" ist. Da wurde den Notwendigkeiten entsprechend was dazugebaut, anderes wurde, weil nicht mehr gebraucht, mehr oder weniger zimperlich wieder abgebaut.

Die Sache mit den Gleisen, die nicht parallel zur Anlagenkante verlaufen, läßt sich bei festen Anlagen oder Segmenten im heimatlichen Keller vermutlich leicht bewerkstelligen, bei Segmentbahnhöfen für modulare Anlagen kann man in der Regel kaum anders bauen - hier lockern höchsten gebogene Bahnhöfe die Sache auf. Allerdings gibt es auch beim großen Vorbild Bahnhöfe, die eben doch gerade wie an der Schnur entlang gebaut sind ... in der norddeutschen Tiefebene oder z.B. südlich von Wien (z.B. Aspang-Bahn) hat keiner einen Bahnhof in eine Kurve gebaut, wenn das nicht durch geografische Gegebenheiten (Lage von Ortschaften, die der Bahn im Weg waren, Flüsse o.ä.) unbedingt nötig war. Allenfalls die Strecken dazwischen machen dann Bögen, um die Ortschaften zu erreichen, die an die Strecke angebunden werden sollten. Ergo ergibt das sehr "unschöne" Gleispläne. Trotzdem sind sie realisitisch ...

#3 RE: Ästhetik des Gleisplans... von Gustav 16.03.2009 12:27

Zitat
Gepostet von Kolfinn
. . .Was bleibt also als Merkmale übrig, die ein Gleisbild ästhetisch, also dem Eindruck nach "schön", "ansprechend", "harmonisch" wirken lassen? Welche Kriterien würde bei euch für einen harmonischen Gleisplan sprechen?

. . .



Na ja, Realitätsnähe kann man dabei eigentlich nicht ganz unter den Tisch fallen lassen.

Was harmonisch wirkt:

In erster Linie Großzügigkeit, womit ein Bezug zur Realität hergestellt wird.

Also:

Ein Zug kommt von . . . und fährt nach . . ..

Eine Bahnsteig wäre - vergrößert auf echt - auch benutzbar.

Bahnhofsgleise machen Sinn - und sind nicht einfach eine willkürliche Verdickung der Strecke.

Ein Berg ist ein Berg, der durchtunnelt werden muß. Und kein Hügel, in den man auch einen Einschnitt hätte graben können.

usw.

Zitat
. . . ob ein Gleisplan auch ästhetisch wirken kann, wenn er eben eine relativ hohe Parallelität zur Kante aufweist.



Kann er durchaus. Ist halt eine Frage, wie das Ganze gestaltet wird, s.o.

#4 RE: Ästhetik des Gleisplans... von Kolfinn 16.03.2009 13:22

Zitat
Na ja, Realitätsnähe kann man dabei eigentlich nicht ganz unter den Tisch fallen lassen.



Die Realitätsnähe soll ja im Planen nicht wegfallen, nur eben bei der Bewertung Ästhetik mal außen vor bleiben. Ein Gleisbild soll im Modell die Realität wiedergeben bzw. ein weitestgehend reales Abbild darstellen.


Zitat
In erster Linie Großzügigkeit



Würde ich so mal unterschreiben. Das ließe sich dann auf die Formel runterrechnen: Fläche der Gleise/Gleisanlagen im Verhältnis zur Frei-/Gesamtfläche!?
Also möglichst ein positives Verhältnis zugunsten der Freifläche gegenüber der Gleisfläche. So dass das Gesamtbild des Plans die natürlichen Verhältnisse widerspiegelt: Viel Umgebung, wenig Gleise. Die großzügige Bahnsteigfläche mal vorausgesetzt, d.h. die Verhältnismäßigkeit von Gleisanlage, Gebäuden und Bahnsteiglängen.

Zitat

Kann er durchaus. Ist halt eine Frage, wie das Ganze gestaltet wird, s.o.[/b]



Des Pudels Kern. Muss ich versuchen, einen Plan unbedingt die Parallelität zu nehmen, und ihn harmonisch weich, bzw geschwungen planen(was meines Erachtens oft gezwungen ausschaut), oder kann ich durch geschickte Gestaltung im Nachhinein ein harmonisches und ästhetisches Gesamtbild erreichen. (?)

Mir liegt immer der Vergleich mit der malenden Kunst nahe. Auch ein geradliniges Bild kann durch Farbgebung und Stil ein harmonisches Kunstwerk werden.

MfG,
Robert.

[ Editiert von Kolfinn am 16.03.09 13:23 ]

#5 RE: Ästhetik des Gleisplans... von fmm 16.03.2009 16:20

Hm, schwieriges Thema. Da wird jeder so seine Ansichten haben.

Für mich wirken glaubhafte Gleislängen mit schlanken Weichen <12° und realistisch breiten Bahnsteigen ästhetisch.

Für mich als Kleinbahner plane ich mit einer Längenstauchung 1:100 eines Originalplans, lasse die Breite (Bahnsteig, Ladestrasse) aber so wie Sie ist.

Das bedeutet ein Bahnsteig mit 50m Originallänge wäre dann 50cm lang und 5cm (4,35m) breit.

Für grössere Bahnhöfe plädiere ich auf ausreichende Gleislängen mit genügend Reserve vor und hinter dem Zug.
Mein Vorschlag max. Personenzuglänge mindestens mal 2, d.h. 5 Stck 26,4-Wagen + Lok mal 2= Gleislänge von 12 Stck 26,4m Wagen.
Kein Gestöhne bitte, es geht hier um Ästhetik, nicht um zu kleine Modellbahnzimmer.

Als nächster Punkt wäre die Asymetrie zu nennen, Stichwort "goldener Schnitt", Erklärung bitte selbst ergurgeln. Bilder, Fotografien und Modellbahnanlagen die dieser Regel entsprechen, werden von uns als besonders harmonisch empfunden.

Aber auch andere Punkte wie Gebäude, Bäume, Strassen etc. sollten nicht ausser acht gelassen werden. Denn das Umfeld bestimmt das Erscheinungsbild der Gleisanlagen entscheidend mit und nur eine Diskrepanz in dieser ganzen Wechselwirkung zerstört die ganze Illusion.

#6 RE: Ästhetik des Gleisplans... von 141 16.03.2009 21:36

Hallo,

die gleiche Frage habe ich mir bei der Planung meiner Anlage ebenfalls gestellt.

In der Schule haben wir gelernt, dass Menschen runde Sachen als angenehmer erachten als eckige Sachen, so beispielsweise Koalabären mit rundlichem Kopf und rundlichen Ohren – der ganze Körper ist eher rundlich.
Des weiteren spielt natürlich der Goldene Schnitt, wie bereits weiter oben geschrieben wurde, eine alles überragende Rolle. Egal ob Autos, Haushaltsgeräte, Spielzeug, Blumen, Fenster, Schränke, Tiere – fast alles unterliegt dem goldenen Schnitt, Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Mir persönlich gefiel an dem einen Tag eher der eine und an dem nächsten Tag eher ein anderer Gleisplan besser. Daher habe ich mehrere Bahnhofsgleispläne meinem Bekanntenkreis gezeigt, die sich nicht für die Eisenbahn interessieren und sie danach gefragt, welchen Plan sie bevorzugen würden. Ausnahmslos alle bewerteten die als schöner, die nicht mit Gleisen überfrachtet waren. Großzügige Bögen an den Bahnhofsköpfen waren ebenfalls sehr beliebt. Ob die Gleise parallel zur Anlagenkante liefen oder nicht war hingegen nicht ausschlaggebend.

Insgesamt konnte ich zwei Geschmacksgruppen ausmachen:

1. Die eine Gruppe mochte Gleispläne, die streng gegliedert waren, soll heißen: Es gibt nur gerade Gleise, die parallel zueinander verlaufen und mit entsprechenden einfachen Gleisverbindungen ausgestattet sind. Alles wirkt sehr „gerade“.
2. Die andere Gruppe tendierte eher zu den Gleisplänen, in denen die Gleise nicht immer parallel zu einander verliefen und Bögen beinhalteten. Auch die Gleisverbindungen waren häufiger „kurvig“ (Ich hoffe, Ihr wisst was ich meine.) Alles wirkt eher „rund“.

Fazit: Was dem einen gefällt, gefällt dem anderen noch lange nicht. Was allerdings jedem Begutachter gefallen hat, ist der Grundsatz: Weniger ist mehr

Ich für meinen Teil tendiere jetzt zu einem „Stilbruch-Gleisplan“. Soll heißen: Der größte Teil des Bahnhofs wird sehr geradlinig sein und als Stilbruch gibt es beispielsweise eine geschwungene Zufahrt zu einem kleinen Lokschuppen.

Viele Grüße,

Torsten (der schon fast wahnsinnig bei der Gleisplanplanerei geworden ist )

#7 RE: Ästhetik des Gleisplans... von hazus 16.03.2009 22:29

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Mein persönliches Feindbild beim Bahnhofsplan ist die Symmetrie. Ich empfinde Bahnhöfe extrem unnatürlich, die entweder entlang der Längsachse oder der Bahnhofsmitte symmetrisch sind. Beispiel für ersteres versuche ich mal mit darzustellen (Punkte bitte wegdenken!)

....________________
__/___________________
_______________________
...________________/

Beispiel für Symmetrie entlang der Bahnhofsmitte tritt imer dann auf, wenn die linke und die rechte Bahnhofseinfahrt den gleichen Verlauf haben.

Und was mir auch nicht gefällt sind Rechtecke, also Bahnhöfe, die durch Stumpfgleise die Form eines Vierecks bekommen, ich versuche wieder ein Beispiel (Wieder: Punkte bitte wegdenken!):

+__________________________+
_____/_____________________+
+________________/_________+
+__________________________+

Auch wenn man das Raster des Gleissystems auf den ersten Blick erkennt, finde ich das nicht so schön. So sollten zwei Weichen nicht immer deckungsgleich übereinander liegen, sondern z. B. eine 1/4 Standardgleislänge voneinander versetzt.

Vor allem bei MäC Anlagen zu finden: zu großer Gleisabstand bei zweigleisigen Strecken, im Bahnhof selber stört das weniger.

Und natürlich: symmetrische 3Wegweichen, zu steile Weichenwinkel, Enge Radien gepaart mit 303mm Wagen, vollgepflasterte Platten und Schweizer Käse sind definitv NoGos.

Wenig stört mich hingegen Parallelität zur Kante oder gerade Gleisanlagen.

lg Chris

[ Editiert von hazus am 16.03.09 22:36 ]

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